Route & Karte (2026-01-06)
Hauptsache die Luft scheppert.
Fotos & Bilder (2026-01-06)
Nummern & Zahlen (2025-12-04)


16. Sudeln - 23.186465; -106.403161

2026-01-06

Wenn ich Präsident wäre würde ich erlassen (also ich meine vermutlich Diktator weil sonst reden da ja auch noch viele andere Leute mit) dass es untersagt ist den Sandstrand mit Schuhen zu betreten außer wenn es recht kalt ist bzw. sehr heiß, oder irgendwelche medizinischen Sachen oder so. Super Gesetz für die vielen österreichischen Sandstrände, aber solche Dinge fallen mir ein, jetzt wo ich wieder alleine bin und versuche, trotzdessen den mazatlanischen Sandstrand zu genießen. Die letzten zwei Wochen in denen mir vier weitere Ohren zu Verfügung gestanden sind die ich mit meinen Worten beschallen konnte ist mir nämlich aufgefallen, dass ich wesentlich seltener darüber nachdenke was ich hier reinschreiben will. Irgendwo müssen die Gedanken halt hin bzw. mit irgendwem will ich sie halt teilen. Jetzt, alleine, ist es wieder die Computertastatur bzw. in meiner Kopfkino die die was diese Zeilen dann lesen werden.

Also ich beginne von ???. Wo ist vorne und hinten wenn ich etwas erzähle? Für mich hören sich beide Worte so an als würde ich von dem chronologisch länger entfernten Zeitpunkt beginnen aber ich will vom hier und jetzt beginnen und mich dann zum Zeitpunkt meines letzten Beitrag vorarbeiten. Jetzt ist es schon wieder einige Zeit her seit dem ich mich von Alex und Romain getrennt habe. War seit Weihnachten der Plan, dass wir hier in Mazatlan getrennte Wege gehen wie ich auch schon im letzten Beitrag erwähnt habe. Ja ist jetzt schon eigenartig wieder alleine zu sein, ein paar Dinge genieße ich ein paar Dinge tun mir weh. Ich glaube es ist vermutlich gut damit vergleichbar alleine oder in einer WG zu wohnen. Dazu kommt halt noch, dass ich in einem fremden Land bin. Vorteil vom alleine sein ist sicherlich, dass ich dadurch wieder (teilweise auch gezwungener Maßen) mehr mit den einheimischen Menschen in Kontakt komme. Hier am RV Park direkt am Strand wo ich verbleibe hat mir zum Beispiel am Abend jetzt immer der fröhlich und aufgeweckte Nachtwächter (Ángel, 71 Jahre, geboren und aufgewachsen in Mazatlan) Gesellschaft geleistet bei dem ich auch das Gefühl hatte er ist ganz glücklich wenn er mit nem Gast mal auf spanisch sprechen kann auch wenn ich bei seinem Dialekt nur 35 - 45 % verstanden habe. (Nicht ganz so hart aber stellt euch vor ihr redet mit einem 70 jährigen Vorarlberger)
Ja den größten Nachteil kann man mit · (-1) vom großen Vorteil des letzten Beitrags ableiten. Auch wenn ich hier quasi im Paradies hocke, am Sandstrand mit Palmen im Rücken ist es alleine halt einfach doppelt so schwer genießbar. Anderer pragmatischerer Nachteil, ich muss wieder alles selber machen, und nachdem ich nach zwei Wochen meinen Benzinkocher wieder ausgepackt habe bin ich draufgekommen, dass ich ihn nun endgültig nimmer zum Laufen bringe. Bisschen Drama, vor allem hungrig und die Lösung nicht ganz einfach weil es solche Teile nur in den ganz großen Städten zu kaufen gibt (und den Kocher den ich will/brauche vermutlich nur in irgendeinem Kaufgeschäft in Japan). Naja auch kein Grund die Reise abzubrechen aber einfacher wird es dadurch gerade auch nicht. Und noch großer Vorteil ich kann mein Tempo fahren, Pause machen wenn ich will, zu den Unterkünften gehen die mir taugen, bei den Restaurant stehen bleiben die mir solide erscheinen usw. also nicht bei jeder Entscheidung schauen müssen, dass eh alle zufrieden damit sind.

Nach Mazatlan sind wir übrigens mit der Fähre von La Paz aus gekommen. Abfahrt am Abend von Neujahr. Zuerst waren wir etwas enttäuscht von den Aufenthaltsräumen in denen wir die 15 h Fahrt über Nacht verbringen sollten. Aber schlussendlich konnten wir einfach im Frachtraum unsere Isomatten ausbreiten und haben dort eine sehr ruhige und angenehme Überfahrt verbracht. Zwei drei mal hab ich mir überlegt wie es wäre da alleine zu liegen. Hm.
Am Tag davor noch 2025, waren die Erwartungen von Sylvester in La Paz etwas zu hoch gesteckt. Ohne Feuerwerk an der Strandpromenade (da anscheinend verboten, nichtmal ein offizielles) und mit sehr überschaubaren Besucher:innenanzahlen der Nachtlokale war es nur so mittelmäßig. Gerutscht sind wir trotzdem gut. Ich hoffe ihr auch!

Eigentlich wollte wir nach LaPaz natürlich mit dem Radel fahren aber dann ist es der Bus geworden. Meine Prophezeiung aus meinem ersten Mexiko Bericht hat sich erfüllt und nachdem wir in der Ciudad Insurgentes 270 km vor La Paz zu Mittag eine Birriería besucht haben (BirriaXXX = quasi sehr lang gekochtes Rindsgulasch) ist bei uns allen drei der Magen in die Knie gegangen gegangen. Die Dauer der Toilettenbesuche hat sich dadurch indirekt proportional mit der Lust die nächsten Tage im Sattel zu sitzen verhalten. Auch davon beeinflusst, dass die kommende Strecke vermutlich nicht mehr allzu viele Highlights zu bieten hatte.
In den letzten Monaten auf der Radreise und vor allem seit den USA ist bei mir ein bisschen die Skepsis gestiegen ob es wirklich so wichtig ist mit dem Rad unterwegs zu sein und ob man nicht auch einfach mit dem Auto/Van/Bus fahren könnte. Die zweistündige Busfahrt hat diese Hypothese wieder weitgehend widerlegt. Auch wenn ich versucht habe, so viel wie möglich aus dem Fenster zu schauen – wobei ich darüber schmunzeln musste, wie ideologisch wichtig manchen Menschen das Aus-dem-Fenster-Schauen beim Zug-, Bus- oder Autofahren ist und wie sehr sie Menschen verurteilen, wenn diese das nicht tun und ins Smartphone schauen, was natürlich auch auf mich übergeschwappt ist und ich dann immer ganz neugierig bin, ob ich irgendwen finde, der eh brav aus dem Fenster schaut, so wie ich es gelernt habe aber um ehrlich zu sein musste ich auch ein paar Sachen am Laptop erledigen – ist es doch einfach nicht möglich, das Land in der Intensität wahrzunehmen, wie ich es am Radl kann.(Bitte jetzt keine Predigt von denen die was zu Fuß unterwegs sind, aber irgendwann muss ich das auch noch probieren wenigstens um dann mitreden (predigen) zu können). Und die Busfahrt war weitgehendst flach. Wenn dann noch Höhenmeter im Spiel sind verändert sich die Wahrnehmung absolut. Höhenmeter. Mit Motor gefühlt egal, ohne, alles entscheidend.

Na gut, nach dem ich nun fünf Tage in Mazatlan verbracht habe in denen einige Dinge nicht so gelaufen sind wie erwarten und erhofft freue ich mich jetzt schon wieder richtig aufs Radfahren. Radfahren, Unterschlupf suchen, Essen, Schlafen. So wie diese super coolen Sprüche auf den super coolen T-Shirts: EAT. SLEEP. <PLATZHALTER>. , REPEAT. Bei mir halt CYCLE. Ist aber auf einer Radreise meiner Erfahrung nach am ehesten wirklich zu erreichen.
Konkret geht es morgen Richtung Guadalajara wo ich aller Voraussicht nach die Warmshowers Szene in Mexico auschecken kann und anschließend weiter in die Ciudad de Mexico. Ich glaube das nächste Highlight auf das ich mich Freuen kann (bis auf die Überraschungen) wird der Karneval sein, aber da muss ich noch etwas recherchieren wie das hier abläuft.
Na gut, es gäbe noch ein paar Sachen zu erzählen aber das zweitwichtigste habe ich glaube ich gesagt. In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten Start ins neue Jahr!

PS: es gibt erste Fotos aus Mexico, und gerne auch bei Alex & Romain vorbeischauen.





15. Finanzmarktaufsicht - 26.010751; -111.346628

2025-12-24

ok ok ok es sind dann nicht die zwei Französinnen geworden sondern zwei Franzosen und wie bisher so oft auf der Reise ist es nicht nur 1. anders und 2. als ich denke sondern auch 3. besser. Alex und Romain heißen die zwei und sie sind seit Juni 2024 mit dem Radel unterwegs, zuerst von Frankreich nach Japan (aus Zeitgründen mit dem Flieger von der Türkei nach Thailand) um dem Fuji zu besteigen und jetzt von Alaska nach Patagonien. Das Treffen mit den zwei hat wirklich viel auf meiner Reise verändert. Mehr als die Ankunft in den USA oder Mexico was bisher vermutlich die größten Veränderungen waren.
Momente die alleine zwar wirklich schön wären aber eben auch den bitteren Beigeschmack haben, dass ich sie mit niemandem wirklich Teilen kann werden so zu Momenten in denen ich sehe wie Alex und Romain auch von der wunderbaren Landschaft beeindruckt sind und euphorische Jauchzer von sich geben. Vor allem wenn es Bergab geht, Bergauf ist es dann eher angestrengtes Ächzen.

Interessant war es für mich dann auch zu sehen wie wir uns vorsichtig aneinander rangetastet haben. Zuerst sind sie bei mir vorbeigefahren als ich gerade einen Platten geflickt habe und wir haben kurz geplaudert und gesagt, dass wir uns vermutlich eh in der nächsten Ortschaft wiedersehen werden. Also Wiedersehen gleich bei der Ortseinfahrt und es hieß lass uns doch gemeinsam was zu Mittag essen. Angenehmes gemeinsames Mittagessen also lass uns doch heute mal gemeinsam weiterfahren. Naja daraus ist dann ein geteilter Wildcampingplatz geworden, daraus dann ein gemeinsamer nächster Tag am Radel und wieder zusammen campieren, dann ok gemeinsam ein paar Tage bis zur nächsten größeren Ortschaft und jetzt haben wir beschlossen hier in Loreto gemeinsam Weihnachten zu feiern. Beziehungsweise muss ich sagen, dass mich die zwei bei sich aufgenommen haben, da sie schon vor ner Weile hier in Loreto ein Apartment gebucht haben und mich eben jetzt auch zu Weihnachten dort eingeladen haben. Oh Bartali, was für ein Glück ich hatte!

Ich meine natürlich taste ich mich in jeder Bekannt- und Freundschaft mehr oder weniger vorsichtig aneinander an. Auf der Radreise ist es aber irgendwie etwas prekärer weil man entweder mitinander unterwegs ist oder nicht. Daheim treff ich mich halt für ein paar Stunden und dann wenns cool war vielleicht in zwei Wochen wieder oder wenns nicht so cool war halt nicht mehr. Auf der Radreise ist es realistisch entweder voll Gas die ganze Zeit zusammen oder gar nicht weil eine:r ein paar KM am Tag mehr oder weniger macht und dann ist das Wiedersehen halt gleich mal wesentlich komplizierter.
Wobei ich neugierig bin ob ich die zwei nicht vielleicht doch auch nochmal in Costa Rico oder Kolumbien oder halt in irgendeinem von den ganzen Ländern nochmal treffen werde durch die sie auch kommen werden.
Der derzeitige Plan ist nämlich, dass wir noch gemeinsam die weiteren fünf Tage in die größte südliche Stadt von Niederkalifornien La Paz fahren und dort dann auch noch Sylvester zusammen feiern. Von dort nehmen wir dann die Fähre zum Festland Mexico nach Mazatlan wo wir uns dann vermutlich trennen werden weil sie von dort einen Bus direkt in die Ciudad de Mexico nehmen, ich aber eigentlich mit dem Radl weiterfahren will.
Also nochmal zurück zu heute, Weihnachten, natürlich hart nicht daheim zu sein, aber wie ich schon erwähnt habe, dadurch, dass hier wenige Dinge an das Weihnachten erinnern so wie ich es von daheim kenne werde ich zumindest nicht ständig daran erinnert. Und die Franzosen haben ein wirklich gutes Weihnachtsessen geplant: zur Vorspeise Mexikanisch Nachos mit Beilagen, Hauptspeise: Ribeye Steak französische Pfeffersauce mit Erdäpfelpüree und Brokkolipüree und Spargel und zur Nachspeise mach ich Powideltascherl. Hoffe das klappt, der letzte Rest vom kulinarischen Ruf Österreichs steht am Spiel!

Na gut, ich hoffe ihr hattet alle feine Weihnachten und genießt das was ich momentan nicht haben kann.
Noch feine restliche Tage in 2025 und auf ein leiwandes 26er!





14. Chromatisch - 29.72248; -114.678382

2025-12-12

Endlich hab ich geschafft, auf was ich schon seit dem Anfang meiner Reise Lust hatte, vielleicht auch schon viel länger, was aber bisher vor allem an dem Faktum gescheitert ist, dass die, die was unsere Simulationsparameter definiert haben sich dafür entschieden haben, dass ein Kubikdezimeter Wasser sprich ein Liter, ein Kilogramm haben soll. Naja die Bezeichnungen dafür kommen dann vermutlich wieder von uns aber, dass halt Wasser im Verhältnis zu unserer Kraft (nicht nur "meiner" Kraft, weil der Pogačar könnte jetzt auch nicht einfach so 100 L den Berg hoch drücken) recht schwer ist. Und zweites Faktum, wir sind recht abhängig von Wasser. Deswegen ist es nicht allzu einfach, mal so richtig, also wirklich voll in der Pampa, weitab von allem, zu campen.
Und ja, ich hab so einen Wasserfilter dabei (mittlerweile sogar leider zwei) den ich nicht so wie in Beitrag 6 im Yosemite National Park gebraucht habe sondern erst viel später, ich glaube so ca. am Tag 75, und seitdem auch nicht mehr. Das Ding ist, so ein Wasserfilter in der Halbwüste ist ca. so nützlich wie ein Eisschrank in der Arktis. Mir ist es jetzt also gelungen, aber auch nur deshalb weil ich eigentlich noch immer nur 500 m von der Landstraße und ca. 10 km von der nächsten Siedlung sprich Häuseransammlung entfernt bin. Da ich mich aber in dem wirklich sehr dünn besiedelten Bereich von Niederkalifornien (nicht zu verwechseln mit Niederösterreich) befinde und es bis auf die paar Siedlungen keine zivilisatorischen Anzeichen gibt (halt bis auf die Straße und den obligatorischen Müll an deren Rand) fühlt es sich hier zwischen den Kakteen, dem Sandstein und den wenigen Sträuchern ziemlich nach Pampa an. Ich freu mich auch schon auf den Sternenhimmel. Und das ganze ist mir nur geglückt weil die Siedlung eben auch einen kleinen Supermarkt hatte bei dem ich Wasser besorgen konnte. Also langer Paragraph kurzer Sinn: ich campiere gerade so wie ich mir das vorgestellt habe. Erwartung erfüllt. Gut. (Naja Nachteil natürlich WENN der Mörder kommt dann bin ich halt wirklich am Arsch.)

Wie ihr seht, oder eher lest bin ich in Mexico angekommen, meine Organe wurden nicht in Tijuana verkauft und momentan bin ich guter Dinge. Die letzten drei Tage habe ich aber als "schlechter Durchschnitt" auf meiner Skala bewertet, was bisher, für drei Tage hintereinander auf meiner Reise noch nicht vorgekommen ist. Es als Kulturschock zu bezeichnen ist meines Erachtens noch etwas verfrüht, der kommt glaube ich erst später. Es war eher das mittlerweile vertraute Land und die Sitten in den USA aufzugeben an die ich mich in den letzten zwei Monaten gewöhnt habe. Und um ehrlich zu sein, es hat mich schon überrascht, dass der Wohlstand ein paar hundert Meter weiter wirklich so rapide abstürzen kann. Grenzübergang und so hat komplikationsfrei funktioniert (bis auf das Drehtor vor dem ich 10 Minuten gestanden bin bevor ich gecheckt habe, dass ich mit meinem Rad auch hochkant durchkomme). In diese Richtung, also von den USA nach Mexiko sicherlich ein einfacheres Unterfangen was auch die ewig lange Fußgänger:innenschlange unterstrichen hat die mir auf der mexikanischen Seite entgegengekommen ist. Für mich war das ganze in fünf Minuten erledigt (plus die 10 Minuten Denkpause).

Obwohl der erste (ganze) Tag hier noch so gut begonnen hat. Zuerst, nur ein paar Kilometer nachdem ich mein Zelt am Strand von Rosarito (alleine in Niederkalifornien gibt es 2 x Rosarito, 1 x Santa Rosaliíta und 1 x El Rosario, ) abgebrochen habe, hupt mich von hinten ein Auto an und fährt an meine Seite. Lachen mich zwei junge Frauen an und erzählen mir sie seien aus Frankreich und würden auch mit dem Fahrrad von Alaska nach Argentinien fahren und sie machen heute nur einen Ruhetag (wieso sie an ihrem Ruhetag im Auto sitzen beschäftigt mich noch heute), wo es bei mir hingeht und ob ich nach Ensenada fahre? Und dann war der Verkehr ein bisschen zu hektisch und weg waren sie. Seitdem fühle ich mich so wie Eli und Charlie Sister in The Sisters Brothers wie sie in der ersten Hälfte des Filmes durch den Wilden Westen reiten und Hermann Warm hinterherjagen. Da es hier eben nur diese eine Landstraße gibt ist die Wahrscheinlichkeit vermutlich doch nicht gleich Null, dass mir die Zwei nochmal über den Weg fahren.
Auf alle Fälle ein paar Kilometer später ruft mir ein Hawara von der Seite zu wo ich denn herkomme. Ich bleibe stehen und lerne Abraham kennen, dessen Sohn Satoshi (die Ururgroßmutter war Japanerin) ein begnadigter Rennfahrer ist und seinem Idol Isaac del Torro, der wie mir neu war auch aus Ensenada kommt, in den internationalen Radsport folgen will. Ich verabschiede mich von den zwei aber kurz darauf kommt Abraham auch wieder mit dem Auto von hinten ran und auf einmal sitzen die beiden Französinnen bei ihm hinten drinnen. Ui nein, Tagtraum, leider nicht. Aber auch nicht schlecht: er sagt er würde mich ein paar Kilometer begleiten und dadurch verhindern, dass mich die Autos (zu) knapp überholen, genauso wie er es bei seinem Sohn Satoshi immer macht. Auch begnadigt und ein wunderbarer Start in Mexico. Am Abend dann in Ensenada, entspannter RV Park und ein Pläuschchen und zwei Bier mit Miguel aus Spanien der mit einem gemieteten Jeep Baja California in die andere Richtung hoch gefahren ist. Schön wieder den spanisch spanischen Dialekt zu hören obwohl es noch keine 36 h in Mexico waren.

Ja und dann waren die Tage halt ein bisschen zäh. Keine Highlights, teilweise extrem viel Verkehr mit nur einer Spur ohne Pannenstreifen, nicht so fröhlich freundliche Mexikaner:innen wie ich mir das vorgestellt habe bzw. auch mit Abraham erfahren durfte und generell meine Unsicherheit - im wahrsten Sinne des Wortes, dass ich mich nicht sicher gefühlt habe und Situationen schwer einschätzen konnte. Aber zumindest ein Erfolgserlebnis: an Tag vier hab ich mich wieder an so richtig, richtiges Straßenessen herangewagt so wie ich es seit Bolivien nicht mehr essend durfte und mein Magen ist nicht sofort komplett Berserker gegangen sondern nur Typ 5 auf der Bristol-Stuhlformen-Skala. Naja aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ich glaube das wird noch unvermeidlich, aber dafür kann ich dann das ganze Bauchweh und Magen-Darm und Durchfall Zeug aus meiner Reiseapotheke verwenden das ich seit nun 5000 km mitschleppe.

Wie dem auch sei, obwohl es hier untertags 30 Grad hat und ich momentan mal noch nicht vor habe jemandem etwas zu schenken geht auch bei mir bzw. in mir der Weihnachtsstress los, und zwar wie und wo ich feiern werde. Eigentlich ist mir Weihnachten nicht so wichtig sondern eher Sylvester. Das Problem ist ein bisschen, dass ich ziemlich weit weg von der nächst größeren Stadt bin (vermutlich wäre das Guadalajara) in der ich mich über das Internet und die Gastfreundschaftsnetzwerke mal wieder bei irgendjemandem einladen könnte. Naja mal schauen, vielleicht geht es sich ja doch noch aus, oder ich finde irgendein Hostel in einer nicht ganz so großen Stadt oder ich bin halt einfach alleine oder die zwei Französinnen tauchen wieder auf. Amen.

PS: übermorgen, mein 100. Tag auf Reisen.





12. Zufahrtsrampe - 32.708872; -117.154281

2025-12-05

Mein letztes Lebenszeichen aus den USA. Also vermutlich ein guter Zeitpunkt für ein kurzes Ré­su­mé. Also vielleicht weniger ein Ré­su­mé sondern noch ein paar Dinge die ich über die USA sagen will. Wenn ich mir meine Route anschaue für die ich ziemlich genau zwei Monate gebraucht habe, dann werden mir wieder die Dimensionen bewusst mit denen ich es in dem viert größtem Staat der Erde zu tun hatte. Ich denke das macht auch was mit den Menschen die in dem Land wohnen. Und das ist aus meiner Sicht, die davon geprägt ist in einem kleinen Staat wie Österreich aufzuwachsen (Platz 115 auf der Liste der Länder und Territorien nach Fläche) vielleicht manchmal nicht ganz nachvollziehbar. Ich meine, wir haben in der EU coolerweise zwar freien Personenverkehr, aber nach ein paar Kilometern stößt man auf die schwer überwindbare Sprachbarriere und trotz allem auch auf ein unterschiedliches nationales Zugehörigkeitsbefinden.

Also ihr habt es in den letzten Beiträgen eh schon mitbekommen aber ich bin wirklich erstaunt gewesen wie entgegenkommend und kontaktfreudig die US-Amerikaner:innen so sind. Unzählige Male wurde ich auf der Straße auf mein Radel angesprochen und gefragt was ich denn da vor habe, woher ich komme, wohin ich fahre, usw. Von den vielen schönen Warmshowers (WS) Begegnungen hab ich ja schon erzählt, zwar hab ich in Europa weniger Erfahrungen als WS Gast gemacht aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft doch etwas tiefer in der Gesellschaft verankert ist als bei uns (was auch immer ich jetzt mit "bei uns" meine, vermutlich Österreich und vielleicht auch bisschen Deutschland). Jetzt auch wieder hier in San Diego. Der Plan ist voll aufgegangen das traditionell am vierten Donnerstag im November stattfindende Thanksgiving bei einer Gastfamilie zu erleben. Saralyn und Andrew haben mich bei sich aufgenommen. Ganz wie ich es mir vorgestellt habe natürlich mit Truthan (siehe neue Fotos, endlich) und einigen anderen Leckereien. Drei Tage später hat mich dann auch noch ihr Sohn Corbin zu einem "Friendsgiving" mitgenommen (davor noch Kirche mit Saralyn) und ich konnte anschließend mit ihnen - der jüngeren Generation - endlich mal ein bisschen das US-Amerikanische Nachtleben in San Diego erleben und ich muss sagen San Diego ist eine sehr feine Stadt vor allem auch wegen dem unverschämt angenehmen Wetter. (auf meiner Recherche mit Corbin auf weatherspark.com haben nur die Canarischen Inseln mit einem besseren Wetter aufwarten können)
Ok also wirklich nette Leute hier aber auch wirklich viele Autos. Ah, da fällt mir ein wie viele male ich am Radel daran gedacht habe zu recherchieren, wie sich die Bevölkerungsdichte von Europäischen und US-amerikanischen Städten unterscheidet. Ok eine richtige Recherche ist mir jetzt zu langwierig, also nur eine einzige Stichprobe von zwei Städten (mit etwa gleich vielen Einwohnenden):

Also mein Verdacht erhärtet sich, die bauen die Städte so, dass du mit dem Auto entspannt herumfahren kannst weshalb sie halt riesig groß sind aber nicht viele Leute drinnen wohnen. Mit dem Fahrrad ist das halt ein Schmarrn und ich behaupte hier jetzt mal, dass das auch für die Lebensqualität eines Menschen ein Schmarrn ist. Ich muss aber sagen,dass ich mich vermutlich auch schnell daran gewöhnen würde (Schlussfolgerung aus meinen WS Kontakten in Las Vegas, Flagstaff, Prescott und San Diego in denen ich freundlicherweise mit dem Auto herum chauffiert wurde) und es einiges an Wiederstandwillen kostet, mit der vorhandenen Infrastruktur dagegen anzukämpfen und noch viel mehr wenn ich damit aufgewachsen wäre.
Also es gibt sicher noch viele andere Sachen die anzumerken wären und vermutlich wird mir die nächsten Tage und Wochen am Sattel noch einiges einfallen. Meine wichtigste Erkenntnis: trotz verfluchtem Trottel als Präsidenten hat die USA wirklich einiges zu bieten, sowohl spannende Städte als auch wunderbare Natur und viele gute Leute! Aja und ne super Bibliothek Kultur haben die hier, ich sitz nämlich gerade in der San Diego Public Library.

Ok Blick nach vorne. Morgen, Samstag 6.12. will ich die Grenze nach Mexiko überqueren. Grenzübergang El Chaparral. Nach Tijuana. Tijuana laut dieser Wikipedia Liste, die Stadt mit den siebt meisten Morden per Einwohnenden (interessanterweise auch auf Platz sieben mit den meisten Morden in absoluten Zahlen). Mexiko ist mit sechs Städten in der TOP 10 leider Spitzenreiter. Dann drei mal Ecuador und einmal Südafrika. Aufs ganze Land bezogen verzeichnet Mexiko etwa 25 Morde pro Jahr pro 100.000 Einwohnenden und Österreich einen (1) (aber keine Ahnung wie vertrauenswürdig die Liste ist wenn Palästina mit 0.6 nochmal besser wegkommt - ah ok "Nicht zu den von der UNODC statistisch erfassten Tötungsfällen gehören: [...] alle kriegerischen oder kriegsähnlichen Handlungen [...]") Ja, war jetzt auch spannend in den letzten Tagen so mitzubekommen was die Leute dazu sagen. Ein New Yorker mit mexikanischen Wurzeln der hier zu Besuch war hat mir gesagt Tijuana ist komplett safe und den jungen Leuten die nach Tijuana fahren um dort mit 18 schon Alkohol trinken zu können erzählen sie (wer ist sie?), dass einem die Organe bei lebendigem Leib extrahiert werden und man dann auf der Toilette vom Nachtclub verrecken darf. Ähm ok. Also ich war ja glaube ich mal eher auf der entspannteren Seite aber vor allem die Wikipedia Listen lassen mich doch ein bisschen nachdenklich werden und langsam merke ich, dass ich auch aufgeregt bin. Kenshi, du bekommst meine PSP! Abgesehen davon freue ich mich jetzt darauf ein neues Land kennenzulernen, das mexikanische Essen genießen zu können und die nächsten Wochen auch viel Zeit an der Küste verbringen zu dürfen.
Das Abenteuer geht in die nächste Runde.





11. Erlassen - 33.138409; -116.374834

2025-11-24

Schon interessant, niemand, absolut niemand sagt mir was ich momentan tun und lassen soll aber trotzdem habe ich einen Stress. Aber ja, es ist - vermutlich auch deshalb - kein wirklich negativer oder anstrengender Stress sondern eh ein produktiver. Und ein großer Unterschied zum Stress für z.B. eine Abgabe während der Studi Zeit ist, dass das Ziel wesentlich konkreter ist. Denn wieso will ich die Abgabe fürs Probabilistic Robotics Lab endlich abschließen? Um dann irgendwann mit der Masterarbeit beginnen zu können, um dann für die Masterprüfung zugelassen zu werden und diese zu bestehen, um dann ein A4 Wisch beilegen zu können auf dem steht, dass ich einen MSc. in Robotics Engineering habe, um dann größere Chancen zu haben den Job zu bekommen, um dann Geld zu verdienen um dann ??? ja genau eine Radreise machen zu können. Natürlich alles sehr verkürzt und das Probabilistic Robotics Lab war eh auch manchmal ganz interessant aber ich hoffe ihr versteht auf was ich hinaus will. Mein jetziger Stress besteht schlicht und ergreifend daraus, dass ich um 26.11. in San Diego sein will um am nächsten Tag mit meinen Warmshowers (WS) Hosts Thanksgiving feiern zu können, um neue Dinge zu erleben um ??? ja keine Ahnung, vermutlich irgendwas mit Sex (steht beim Maslow, Abraham auch ganz unten in der Bedürfnispyramide). Na gut damit ist die Aussage vom Charly, dass er nicht wirklich versteht warum ich das mache auch noch nicht geklärt aber seis drum.

Michael; Teo; Trey, Ali, Colter, Eli & Max; Deb & Glenn; Dorothy & John; Marcía & Hector; Anna & Neil; Ruben
Die hab ich alle kennen lernen dürfen seit meinem letzten Lebenszeichen hier. Plus zwei Personen, die mir ebenfalls ihren Namen gesagt haben. Zwar haben deren Schallwellen mein Trommelfell erreicht und das Signal ist bis ins Gehirn gelangt, aber dieses war so sehr damit beschäftigt, mögliche soziale Schacheröffnungszüge durchzugehen, dass für weitere Verarbeitung schlicht keine Rechenleistung mehr verfügbar war.. Die ersten zwei haben mich (unabhängig voneinander) auf der Fahrt vom Grand Canyon nach Flagstaff mit dem Auto überholt und sind dann stehen geblieben um mir ihre Hilfe anzubieten. Das Wasser vom Michael habe ich reflexartig sofort angenommen. Anscheinend schwingt, dass Pendel jetzt in die andere Richtung. Und Teo hat mir auch einen Schlafplatz angeboten weil er selber auch auf WS ist. Diesen habe ich dankend abgelehnt da ich mich über WS schon in der WG von Trey eingemietet hatte. War wirklich nett dort mit den ganzen Studierenden (zumindest in dem alter davon, Eli (also eng. ausgesprochen Ilai) ist Elektriker und trainiert nebenbei Kampfhunde, richtig lustiger Typ! Im Geo auf der letzten Seite gibt es immer ein Interview mit irgendeinem Menschen auf der Weil (drüber steht 1 von 9.008.432.589 Menschen auf dieser Welt) und obwohl die Fragen immer sehr ähnlich sind unterscheiden sie sich auch immer ein bisschen, außer die letzte Frage, die war bisher immer die gleiche: Wann haben Sie zum letzten mal so richtig herzhaft gelacht? Bei mir war es als der Eli von seinem Vater erzählt hat der ihm vor irgendeinem Sport-Wettkampf rohe Eier in den Orangensaft gemixt hat. Die Art und Weise wie Eli das in seinem US-amerikanischen Slang erzählt hat...ich musste kurz ins andere Zimmer flüchten und hab mich fast an dem Apfel verschluckt den ich gerade gegessen habe.) und ich hab mich sehr an meine Studienzeit seinerzeit erinnert auch weil ich mich nicht so 100 % wohl gefühlt habe.
Deb & Glenn, haben mich lustigerweise auch auf der Straße in Flagstaff angesprochen und angeboten, dass ich in Sedona (50 KM von Flagstaff entfernt) bei ihnen übernachten kann und ob ich die Platform WS kenne? Da das Wetter am kippen war habe ich mir dann nach Sedona auch gleich noch eine trockene Bleibe im nächsten Städtchen über WS organisiert. Also gleich drei unterschiedliche WS-Hosts hintereinander und alles ganz feine und herzliche Menschen bei denen ich mich nochmal eindrücklich bedanken will.

So da hab ich jetzt eh ganz viele Darlings gekillt aber für mehr fehlt mir gerade auch ein wenig die Zeit. Vielleicht eh besser so.
Also wieder guter Dinge fürs Campen, komme ich in dem Kuhkaff (ich glaube die wollen trotzdem nicht, dass ich das village nenne sonder lieber small town) Congress an, cooler Name aber außer Tankstelle, Supermarkt und Bar/Restaurant gibt es nichts. Eigentlich eh nicht schlecht und fast alles was ich mir als Radreisender wünsche. (Bei der Tankstelle hab ich meinen Benzinkocher aufgefüllt) Weil es eh nach Wildcampen aussieht hab ich mir gedacht ich gönne mir etwas Luxus und probier es mal in dem Restaurant. Von außen sehe ich schon wie auf den Fernsehern Fox News läuft und am Parkplatz stehen einige von den kolossalen Pick-Up Trucks. Es wird spannend denke ich mir. Freundlich begrüßt und zum Sitzplatz an der Bar gebeten. Neben mir eine ältere Frau. Wir kommen ins Gespräch. Als es darum geht woher ich komme wird es erstaunlich. Zuerst Australien, eh klar, der Klassiker. Dann "wo ist Österreich?" Ok kleines Land in der EU, auf der Weltbühne unbedeutend. Also, "ein Nachbarland südlich von Deutschland". "Hm Deutschland? Weiß ich um ehrlich zu sein auch nicht wo das ist!" Also, wie gesagt, ich red nicht gerne schlecht (?) von Menschen in anderen Ländern und eigentlich auch eine von den langweiligen Klischeeerfüllungen aber es hat mich trotzdem (bildlich) vom Hocker gehaut. Geeinigt haben wir uns auf östlich von New York. Bin mir aber auch nicht sicher wie viele Bier sie schon intus hatte, und es besteht auch der ganz leise Verdacht bei mir, dass sie mich verarscht hat und ich der dumme bin. Ganz groß zugutehalten muss ich ihr aber, dass sie, als Stammgast vom Lokal mir dann (ein bisschen indirekt) meinen Schlafplatz organisiert hat, und zwar in ner leeren Hütte neben dem Restaurant in der mich die Besitzer:innen Marcía & Hector schlafen haben lassen. Hundert mal besseres Gefühl als Wildcampen!

Und auch Anna und Neil waren extrem zuvorkommend. Ich fahr den ganzen Tag im Dauerregen am Highway entlang bis wieder so ein small town kommt mit nem "Cafe". Ich, nass und hungrig, bekomme ein Sandwich und etwas Wärme, Behaglichkeit und Energie; In einem besonderen chemischen Verfahren; Verflüchtigten sich aus dem Urstoff die Gase; Aus Kohle wurde Koks; Die Menschen sehnten sich nach der Energie, die ihnen das Koks lieferte; Doch für das Volk war der Stoff zu teuer; Mutter? Oh, Mutter; Der Mann mit dem Koks ist da
Also Neil spricht mich an. Reiserad und so. Wo ich hin will? Und bietet auf einmal an, dass ich mein Rad auf seinen Pickup laden kann und er mich ein Stück mitnehmen kann. Etwas Überwindung hat es mich schon gekostet. Aufgeben und so, und nicht hart genug sein dem Regen zu trotzen aber im Endeffekt hat er mir den Arsch gerettet weil ich sonst nicht an mein Endbahnhof angekommen wäre und das hätte noch ganz große Tränen gegeben die im Regen untergegangen wären. Im Endeffekt hab ich mir an dem Abend dann schließlich am Endbahnhof im absolut hässlichen Quartzsite (ok als Ausgleich: Sedona war wirklich sehr, sehr hübsch und auch Flagstaff ein feines Städtchen, und eine Stadt müde und im Regen kennenzulernen ist auch ein schweres Los) sogar ein Motel gegönnt weil es noch immer geregnet hat. So wie damals in Italien.

Nach einer Woche bedecktem Himmel und einigem Regen, genieße ich jetzt wieder die Sonne und bin nur noch zwei Tage von meinem letzten Etappenziel in der USA entfernt, San Diego. Ich muss sagen die Befürchtung die ich damals in Spanien hatte, dass es schwierig wird in den USA weil ich dann keine Zwischenziele mehr habe, im Großteil mal wieder nicht bewahrheitet. Durch die WS Kontakte und auch die Woche beim Charly konnte ich die große Einsamkeit dazwischen immer recht gut überbrücken. Jetzt mach ich mir sorgen wie das dann in Mexico ist, wo's zwar auch ein paar WS Accounts gibt aber nicht so flächendeckend wie in den USA. Größer als die Sorgen ist aber wieder die Lust aufs Spanisch sprechen. So wie mit Ruben von der Zeugen Jehovas der in Brawley vor dem örtlichen Donut Shop gesessen ist. Wow ich merke gerade, dass ich noch gar keine Lobeshymne auf die US-amerikanischen Doughnuts gesungen habe. Würde ich in der Nähe von so nem Laden leben hätte ich echt ein Problem. Und ich bin am überlegen nicht selber so einen Laden in Wien aufzumachen. Zwei sehr konträre Gedanken. Wie dem auch sei. Ich freu mich aufs spanisch sprechen und bin sehr neugierig auf ein neues Land und den Begin meiner Reise nach Lateinamerika. Da die aber eh auch noch lang genug dauern soll versuche ich jetzt noch die letzten Tage in den USA auszukosten.
Ist so schwierig dieses Genießen.

PS: Seit Las Vegas noch immer keine neuen Fotos. Stress und so. Ich hoffe, dass ich noch vor Mexiko, sprich in San Diego Zeit dafür finden werde.





10. Zeche prellen - 36.050189; -112.117710

2025-11-13

Wo war ich stehen geblieben?
Ich sitze gerade am Rand des Grand Canyon - guter Arbeitsplatz - hab aber meinen Laptop am Campingplatz vergessen deswegen schreibe ich diese Zeilen auf Papier (also jetzt natürlich vom Papier ab). Eigentlich irrelevant aber zumindest hat mich einer gefragt ob ich ein Künstler bin weil ich so dasaß und es ausgesehen hat als würde ich malen. Überlebenskünstler.
Na gut, seit meinem letzten Beitrag bin ich durch den Zion National Park gedüst. Im Sausetritt. Gedüst deswegen weil, ab ca. der Hälfte der Strecke vier andere (Renn-)Radfahrende in meinem Alter überholt haben und wir ein bisschen geplaudert haben und da konnte ich mich dann nicht einfach abhängen lassen. Da hab ich gemerkt wie sehr es mir abgeht neben, vor, hinter also mit anderen Menschen Rad zu fahren. Also an allen Aussichtspunkten vorbei und gerade hindurch. Blöd, dass die dann an der Grenze vom Nationalpark, also ca 15 km später (der Park ist recht klein) schon wieder umgedreht sind, war also nur ein kurzes Vergnügen.
Jetzt im Grand Canyon National Park habe ich aber auch das Gefühl, dass ich nicht genug Zeit habe und deswegen nochmal hier her zurück kommen muss und vor allem meine Wanderschuhe dabei haben sollte. Zwei Gründe weshalb ich nicht einfach bisschen länger hier bleibe: Erstens, mittelfristig will ich in zwei Wochen also am 27.11. in San Diego sein und hoffe dort über Warmshowers (WS) eine ähnlich einladende Familie - oder halt Leute zu finden so wie in Las Vegas um erleben zu können wie Thanksgiving gefeiert wird. Mal sehen obs klappt. Und zweitens, soll es in wenigen Tagen auch hier nass und kalt werden. Zumindest habe ich mal für morgen in Flagstaff einen (hoffentlich) netten WS Gastgeber gefunden. Diesmal auch so in meinem Alter was mir ein bisschen abgeht in den RV Resorts.

Aber lasst mich noch kurz über das Wetter reden denn "alle Reden übers Wetter aber niemand unternimmt was dagegen" wie der Valentin Karl gesagt hat. Das Wetter, meines Erachtens einer der wenn nicht der entscheidende Faktor bei allen Abenteuern in der Natur. Bisher hatte ich in den USA ja ein ziemliches Saumasen. Den letzten Regen den ich gesehen hab war im ironischerweise so trockenen Death Valley also vor drei Wochen. Fast schon langweilig. Aber ich bin ja auch (noch) auf der Nordhalbkugel also werden auch hier die Tage immer kürzer und die ca. 10.5 h Tageslicht die mir noch zur Verfügung stehen reichen nicht aus, für all die Aktivitäten für die ich mir nicht die Photonenschleuder an die Stirn knallen will. Außerdem, so angenehm es ist bei 22 Grad und Sonnenschein am Radel zu sitzen so unangenehm ist es dann bei 14 Grad in der Dunkelheit mich und die Wäsche zu waschen, das Zelt aufzubauen, zu kochen, abzuwaschen usw. (jetzt komm ich wieder voll ins Jammern rein aber egal) was auch, glaube ich, das Fundament für einen meiner bisher schwächsten Momente der Reise geführt hat. Andere Auslöser waren die monotone Strecke (mah da könnte ich gleich weiter Jammern aber positiv, der Weg zum Grand Canyon Village gestern war dann wirklich die wunderbare Abwechslung, endlich mal wieder Bäume sprich Wald auf beiden Seiten, viele Kurven so, dass ich nie wusste was mich in 200 Metern erwartet und nur ein Auto pro Stunde.) und der karge und unfreundlich anmutende RV Stellplatz auf dem ich mein Zelt aufstellen musste da Navajo Territorium sprich Wildcampen verboten. Das lächerliche Tröpfchen das dann mein ich-zuck-aus Fass zum Überlaufen gebracht hat war, dass zum wiederholten mal ein Täschchen das ich aus der Radtasche ziehen wollte hängen geblieben ist. Meine Reaktion: mit dem Handrücken volle Kanne gegen die Tasche schlagen, innerlich die tiefsten Beleidigungen auspacken, ein paar rasche Schritte vom Corpus Delicti entfernen, tief durchatmen, mich an einen Laternenmast anlehnen, auf die orange beleuchtete Bundesstraße blicken und denken, dass ich keine Lust mehr habe. Beruhigenderweise hat kurze Zeit später die Entdeckung, dass meine Speiseölflasche in eben dieser Radtasche ausgeronnen ist (zur größten Wahrscheinlichkeit nicht wegen meinem Schlag vorher, sondern weil ich den Deckel nach dem Kochen und vor dem einpacken nicht zugedreht hatte, er war nämlich nur auf das Gewinde aufgesteckt, wirklich) nicht zu einer weiteren Eskalation geführt - wie auch immer die ausgeschaut hätte - sondern zu einem auflachen meinerseits über die fantastischen Herausforderungen die das Leben so zu bieten hat. Angezipft hat's mich natürlich schon so weit bin ich nicht und am nächsten Tag als dann noch immer Ölreste zu finden waren musste ich auch wieder fluchen
Aber ja, eigentlich glimpflich davon gekommen und jetzt hier mit den letzten Sonnenstrahlen im Rücken (das war noch vorher auf Papier, mittlerweile frieren mir die Finger an der Tastatur an, jammernjammernjammern) und über diese wunderbare Absurdität der Natur blicken will ich eh noch weiter machen! (also mit der Reise, keine suizidalen Gedanken hier, hört sich bisschen so an und am Rand der Grand Canyon vermutlich leider nicht allzu selten und äußerst gefährlich.)

Neue Fotos dauern leider noch ein wenig und auch die letzten Tage der Route. Vielleicht komme ich übermorgen in Flagstaff dazu mal sehen. Wenn's draußen schneit sicher die bessere Wahl als Radeln gehen. Also dann ein schönes Wochenende wünschend!





9. Nimbus - 37.108844; -113.591530

2025-11-07

Also, wieder viel passiert, ich muss echt was auslassen.
Aber mein letzter Beitrag war noch bevor ich wirklich in Las Vegas Downtown war. Der Strip. Wahnsinn die Dimensionen dort. Von den zehn größten Hotels die es auf der Welt gibt sind acht in Las Vegas (von den größten 20 sind 14 in Las Vegas) einfach verrückt. Größe nach Anzahl der Betten. Alleine deswegen lohnt sich ein Besuch. Ich hab mir gedacht cool ich feier Halloween dort. Das Problem, um in Las Vegas im Nachtleben Spaß zu haben sind m.E. eine dieser drei Dinge notwendig (vermutlich nicht nur in Las Vegas aber dort besonders): entweder viel Geld, coole Leute dabei (so wie in Oceans 11 oder Hangover) oder sich absolut nichts scheißen. Leider hatte ich keines davon. War trotzdem imposant und ich bin die halbe Nacht fast nur auf dieser einen Straße einmal runter und dann wieder rauf gegangen. Am nächsten Tag sind mir die Blasen an den Füßen aufgefallen. Durchs viele Radeln in den letzten acht Jahren habe ich das viel-Gehen verlernt.
Ah ja, weil ich die Kamera nicht herumschleppen wollte gibt es vier unnötige Handyfotos in feinster Qualität von dem Abend.
Nachdem ich dann noch einen Tag bei der wirklich außerordentlich gastfreundlichen und großzügigen Warmshowers Familie verbracht habe inkl. Basketballspielen mit dem Sohn, Schachspielen mit der Tochter und Krautstrudel machen fürs Abendessen hab ich mich dann losreißen können. Der erste Tag am Rad war solide, der zweite dann die Härte. Lustigerweise hab ich mir am Vormittag noch gedacht, dass ich so Reiseblogs nicht mag wo die Leute viel Jammern. Vermutlich mag ich Jammern grundsätzlich nicht so gerne obwohl unser wirklich gute PBSK Lehrer in der Graphischen noch gesagt hat, dass ein bisschen (?) Jammern auch ganz gut sein kann. Also der nächste Absatz Jammern über Tag zwei seit Las Vegas (2025-11-04).
Eigentlich habe ich mir auch gedacht, dass ich mal wiederAuf so ein bisschen "off-road" Schotter oder wie sie in der <Radfirma> Marketing Abteilung sagen: Gravel lust hätte. Aber es gibt halt Schotter und es gibt das was ich da an dem Tag fahren musste. Wenigstens wurde ich nach den 42 km durch die...ich würde es echt gerne Hölle nennen aber das kommt mir doch etwas übertrieben vor...von diesem Schild bestätigt. Zwei Probleme, erstens Straßenbelag eine Katastrophe (überall schädelgroße Steine, immer wieder knöcheltiefe Sandabschnitte, dazu ausgeprägte Waschbrettpiste) und zweitens die ganze Zeit bergauf und bergab, also runter voll einbremsen weil sonst irgendwas kaputt gegangen wäre (ist), unten, im zentimetertiefen Sand, steckenbleiben und hoch irgendwie schieben, ohne dass die Füße den Halt verlieren. Bisschen Kraft hat mir gegeben, dass ich dann irgendwann diese Zeilen schreiben werden kann. Trotzdem hab ich mind. dreimal laut gebrüllt als ich im Sand steckengeblieben bin. Zu allem Überfluss ist mir dann bald mal das Wasser ausgegangen weil ich aufgrund von bescheidener Planung (zu meiner Ehrenrettung muss ich aber sagen, dass ich auch nicht genau weiß, was mich erwarten wenn ich Bodenbeschaffenheit: halbbefestigte Straße lese) natürlich nicht damit gerechnet habe, dass ich für die 42 km vier Stunden brauchen werde. (Ok ich glaube hier ist das gröbste Jammern vorbei.)
Immer wieder hab ich mir gedacht ob das das Fahrrad überhaupt aushält. Etwa 24 h später hab ich die Antwort: Hydraulikleitung am Bremssattel saft'elt. Eines von den paar wenigen Teilen am Rad wo ich mich nicht wirklich auskenne und ich einfach gehofft habe, dass es nicht kaputt geht. Ironischerweise heißt die Marke von den Bremsen Hope. Zuerst habe ich gehofft, dass es nur an dem Gerumpel vom Vortag lag und sie jetzt eh wieder dicht ist aber leider nein, auch 48 h später tritt noch Öl aus. Glück im Unglück im Glück, in der etwas größeren Stadt St. George, Utah in der ich gerade eingefahren bin gibt es einige Radgeschäfte und momentan warte ich darauf dass es repariert wird und dann hoffentlich für die nächsten 25.000 km eine Ruh' ist.
Hope ain't a tactic, Don

Bevor ich aufhöre, muss ich nochmal eine Geschichte von den guten Hirtinnen auspacken auch wenn ich das Thema im letzten Beitrag schon ordentlich behandelt habe. Also:
Da komm ich in diesem RV (= Wohnwagen) Resort an. Wirklich feines Ambiente. Ich natürlich weit und breit das einzige Zelt. Bisschen wundere ich mich über den Wohnwagen gleich nebenan, in dem Licht brennt aber draußen nichts nach Camping zu urteilen lässt. Auf jeden Fall gerade als es dämmert kommt eine Frau heraus, ich grüße, sie sieht mich, sie sieht das Radl fragt ob ich eine Minute Zeit habe. Stellt sich heraus, dass Tracy viele Jahre lang eine Firma hatte die Fahrradtouren quer durch die USA angeboten hat und sie selbst natürlich auch schon jeden Fleck in den Staaten mit dem Rad bereist hat. Auf die Frage ob ich IRGENDWAS brauche, denke ich mir ok, ich habe gelernt, eine Pumpe, eigentlich das Barometer davon geht immer. Vor allem weil ich bei der Kackfahrt am Vorvortag ordentlich Luft aus den Reifen gelassen habe. Also kommt sie mit so einem kleinen (Zigarettenschachtelgröße), portablen, akkubetriebenen Kompressor. Solche wie sie in den lezten Jahre beliebt geworden sind und ich auch schon fürs Rennrad damit geliebäugelt habe. Sie, ohne dass ich noch irgendwas gesagt habe: Willst du ihn haben? Ich komplett perplex, ihre Stimme bricht: Ich bin 63 Jahre und kann mich noch an meine erste Tour erinnern, und manchmal sind aus heiterem Himmel einfach Leute gekommen und haben mir was gegeben, geschenkt einfach was gutes getan. Also hier nimm ihn, wenn du ihn brauchen kannst. Oida, ich hatte das Gefühl, dass sie mir WIRKLICH etwas geben wollte. Quasi auf Teufel komm raus. Dass es dann so etwas praktischen ist umso besser. Dass sie mir dann am nächsten Tag auch noch 50 $ zu meinem Zeug auf den Picknicktisch gelegt hat, hat das Fass dann fast zum überlaufen gebracht. Leider sind die zwei, Tracy und ihr Partner Larry schon am in der Früh abgefahren und waren damit beschäftigt ihre Sachen zusammenzupacken sonst hätte es sicher noch einige schöne Geschichten gegeben.





8. Antilope - 36.019058; -115.073118

2025-10-31

Zum ersten Mal seit meiner mittlerweile etwas mehr als 50 Tage dauernden Reise muss ich mich motivieren, um hier was zu schreiben. Aber einen Schwank hab ich:
Wart ihr schon mal auf einer Radreise, als es in Strömen geregnet hat, etwas entfernt zucken ein paar Blitz und der Donner grollt, weit und breit gibt es nichts zum drunterstellen, die Sonne ist vermutlich gerade untergegangen und es wird langsam dunkel und ihr wisst noch nicht genau wo ihr heute Nacht schlafen werdet und auf einmal hört ihr ein leises tssssssss und ihr merkt, dass ihr einen Batschen habt? Also mir ist es noch nicht passiert (*) aber nachdem ich jetzt mittlerweile drei Batschen flicken musste denk ich mir manchmal in unguten Situationen was wäre wenn... Hoffentlich hilft es dann, sollte so ein Moment wirklich eintreten, dass ich ein bisschen gelassener bin oder so, sonst wäre es vermutlich etwas unnötig dahingehend Gedanken zu verschwenden.
(*) Also weiß jetzt nicht wie die Pointe schriftlich angekommen ist, aber als ich darüber nachgedacht habe - und beim Radeln hab ich viel Zeit zum Nachdenken - dann war sie zumindest für mich ganz lustig. Generell denke ich oft darüber nach was ich hier schreiben möchte, ich glaube es ist ein bisschen eine Strategie der Einsamkeit zu entkommen. Andere machen irgendwelche Videos und quasseln in die Kamera, ich gehe das ganze halt im Kopf durch. Ziemlich das gleiche würde ich sagen, aber oft vergesse ich die Sachen dann wieder und sie schaffen es nie hierher. Ein paar habe ich mir aber aufgeschrieben, die kommen dann gleich später, zuerst wollte ich mir nochmal überlegen wieso es mich jetzt etwas mehr Mühe kostet zu schreiben als die letzten male. Ich glaube halt, dass ein bisschen der Moment gekommen ist (nach 50 Tagen würde ich sagen ganz plausibel) an dem die Reise zur Routine wird, der Moment an dem die hundert tausenden Reiseblogs da draußen plötzlich eben nicht mehr so regelmäßig von ihren Erlebnissen erzählen weil die Menschen dahinter das Gefühl haben von ihrer Routine zu erzählen ist langweilig. Und wie der gute alte Andy Oldman (aka Andreas Altman) über die Routine schreibt : [Die Routine] ...eines der gefährlicheren Gifte. Vor dem keiner von uns gefeit ist. Sie ist der Erzfeind der Neugier, sie ist das träge Fleisch, der innere Schweinehund, eine wahre Massenvernichtungswaffe. (Mah, ich würd ur gerne ganz ganz viel aus seinem Buch "Gebrauchsanweisung für die Welt" zitieren, aber ich weiß nicht mal ob ich mit dem Zitat schon Urheberrecht oder so verletze. Ich bin auf alle Fälle ein Altman Verehrer auch mit all seinen Makeln.) Kann aber vielleicht auch einfach sein, dass ich grad zach drauf bin und einfach keinen Bock hab vorm Laptop zu sitzen.

Ok aber nochmal einen Schritt zurück, auf der Karte kannst du zwar sehen wo und wann ich gefahren bin, und geschlafen habe aber nicht wieso. Ich mein der Carlos hat damals noch gemeint, dass er das ganze eigentlich nicht wirklich versteht (ich um ehrlich zu sein auch nicht) aber ich will das ganze jetzt nicht grundsätzlich, wertebasiert und abstrakt angehen sondern konkret, faktenbasiert und langweilig.
Eigentlich war ja der Plan nach dem Yosemite Nationalpark gleich weiter Richtung Osten zu streifen und eine Schleife um Las Vegas zu ziehen. Aber nach der Woche alleine unterwegs, war ich dann doch recht einsam und der Gedanke an weitere zwei bis drei Wochen alleine durch die Pampa haben in meiner Brust einen Knoten immer fester ziehen lassen. Außerdem war mir kalt und ich wollte in den "Ohhhhh, Willkommen, Willkommen, Sonnenschein! Wir packen unsre sieben Sachen in den Flieger rein, Und ich sag: Eeeeeeeeey, ab in den Süden! Der Sonne hinterher" (Urheberrecht Brechung die Zweite.) Also hab ich doch den Weg durch das Death Valley nach Las Vegas gewählt wo ich jetzt bei einer Warmshowers Familie untergekommen bin, und den absoluten Luxus des Vorstadtlebens in Henderson genieße und auch Ende Oktober noch gemütlich mit T-Shirt und Batschen auf der Veranda sitze.

Der Weg sowohl zum Death Valley als auch hindurch war wiedermal spektakulär und ich glaub es bringt jetzt nicht wirklich was, da viele Wörter liegen zu lassen, sondern eher die Fotos zu bearbeiten und hochzuladen. Es sei nur soviel gesagt, dass diese Art von Landschaft bei uns halt nicht wirklich vorkommt. Halt, halt, halt.

Genau, und was ich mir am Rad noch überlegt habe ist den ganzen guten Hirten und Hirtinnen die ich auf meiner Radreise bisher getroffen habe und die noch unerwähnt blieben zu Danken. Manchmal kenne ich zwar nicht mal deren Namen oder wie sie aussehen, zum Beispiel alle Menschen die mit dem Auto unterwegs sind und mich mit einem anständigen Abstand überholen. Aber namentlich kann ich mich noch an Richard in Miami Platja (kurz vor Barcelona) erinnern. Bitte Richard mit spanischer Aussprache (obwohl er Portugiese war) also ca. Ritschard. Die deutsche Aussprache taugt mir nämlich nicht so. Sorry an alle deutschen Richards da draußen. Auf alle Fälle hat mir Richi in einem Moment der Not die Hand ausgestreckt und Menschlichkeit bewiesen, wofür ich ihm nochmal danken will. Aber auch jetzt in der USA merke ich viel Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft und generelle Freundlichkeit die mir als einsamer Ritter der Landstraße entgegengebracht wird. Sei es der Hawi der mir aus dem Auto Wasser anbietet...ok kurzes Intermezzo, an dem Tag von meinem letzten Beitrag war das. Da bin ich ja bisschen im Harakiri Modus über diesen Pass gefahren und hab mir schon beim losfahren gedacht, dass es mit dem Wasser etwas knapp werden könnte. Also schickt mir der Herrgott einen guten Hirten der mich aus dem Auto heraus fragt ob ich Wasser brauche, und was ist meine erste Affektreaktion wenn mir etwas Angeboten wird? Nein, nein, danke dir! Danke!! Ich komm schon alleine zurecht, nur nicht wem anderen zur Last fallen. Ich meine, der erste Weg zur Besserung ist natürlich, dass es mir selber auffällt. Was auch ein Erlebnis war, dass mir dazu passend in Erinnerung geblieben ist, ist als mal Warmshower Gäste bei uns waren, ich ihnen Angeboten habe, dass sie unsere Handtücher verwenden können, damit sie nicht ihre mikro-mikrofaser Handtücher verwenden müssen und sie dann aber trotzdem ihre mikro-mikrofaser Handtücher verwendet haben. Da war ich dann nämlich angepisst, dass sie mein Angebot ausgeschlagen haben. Aber es gibt halt auch solche Angebote die aus Höflichkeit stattfinden: "Ich wasch ab, kein Problem!", "Soll ich diesmal zahlen?!" Da freu ich mich dann wenn das Angebot ausgeschlagen wird. Naja Kommunikation, zwischenmenschliche Interaktionen sind halt manchmal wie Schachspielen. Aber ich hab das Wasser auf alle Fälle nicht angenommen und mich fünf Sekunden später darüber geärgert. Dann hab ich die Flasche an so nem Gletscherbach (in der Gegend gibt es keine Gletscher aber geschneit hat es) auffüllen müssen.
Und der Herrgott hat an den einen Hawi denken müssen der ihn bis an sein Lebensende darum gebeten hat im Lotto zu gewinnen sich aber nie einen Lottoschein gekauft hat. So wie ich, der damals in Italien tagelang einsam durch die Pampa am Po entlang gefahren ist, und in der Ferne jemanden gesehen hat der mir entgegenkommt und scheinbar auch ein bepacktes Reiserad fährt und ganz kurz als wir aneinander Vorbeifahren sich die Person als Frau in etwa meinem alter herausstellt, die genau so wie ich durch die Pampa düst (eigentlich sogar in die selbe Richtung wie ich, ich bin nur ein paar Kilometer zurück gefahren, um einen geeigneten Zeltplatz zu finden) und ich bekomme nur ein trockenes Nicken und ein verhaltenes "Hey" heraus, vielleicht - vermutlich war auch ein kompaktes Winken dabei. Aber der Herrgott hat sich auch gedacht Bitte Caspar! Bitte! Kauf dir endlich einen Lottoschein! Bzw. ich hab mir halt gedacht, dass sich der Gott das gedacht hat, bzw. hab ich nur an den Witz gedacht und mich ein bisschen in einer ähnlichen Situation gesehen. Und dann habe ich versucht mich darauf zu konzentrieren was ich rieche. Das ist momentan meine Taktik wenn die Sicherungen am glühen sind. Achtsamkeit und so. Bisher hats ganz gut funktioniert. Auch dabei wenn ich mich mal org einsam fühle oder so.
Also zurück zu den Menschen die einfach so, leiwand zu mir waren: Eine Familie hat mir ein Sack voll Orangen angeboten, die sie anscheinend von daheim mitgebracht haben aber nicht brauchen (habs auch nicht ganz gecheckt, aber die Orangen waren dann eh nicht mit Chloroform versetzt) und ein Typ auf nem Rastplatz - wieder so eine Aktion - er hat mich gefragt ob ich was brauche, frisches Obst? Gemüse? ein Bier? und ich hab mal wieder gesagt na pasch scho aber er hat mir dann trotzdem eie Avocado, zwei Tomaten, einen Apfel und so ein Mineralwasser mit Geschmack gebracht. Das Gemüse hat mir dann das Abendessen, das bis dahin aus fertig Mac 'n Chees Nudeln bestanden hat (ich war im Death Valley, Versorgungslage beschränkt) richtig aufgemotzt und der Avocado Tomaten Salat war wunderbar und der Apfel am nächsten Vormittag war auch richtig geil wenn du dir sonst nur die fertig Riegel reinstopfst. Ich finde es aber halt auch so lustig, dass die Leute - auch die dich mit leeren Händen ansprechen und einfach nur neugierig sind - dann trotzdem irgendwie ein bisschen kurz angebunden sind. Manchmal hab ich das Gefühl sie wollten einfach auch nur kurz von sich was erzählen oder sie denken, ich denke, ich will meine Ruh', auf alle Fälle hab ich glaube ich noch nie mit so jemanden mehr als fünf Minuten geplaudert. Naja Kommunikation und Schach und so. Keine Ahnung. Pasch scho. Wenn ich alleine bin, freu ich mich aber eigentlich meistens wenn mich wer anquatscht. (außer um 03:30 beim Wildcampen - eigentlich auch beim Campen am Campingplatz aber in der Wildnis natürlich besonders)

Naja wie gesagt, jetzt kommen noch Fotos, coole hoffentlich, finde ich, und am Freitag geht es dann zu Halloween auf den Las Vegas Strip. Also das Bild von Las Vegas das im allgemeinen Bewusstsein vorhanden ist. Nicht diese abgezäunten Vorstadt Wohnanlagen in denen ich jetzt noch entspanne. Gestern haben wir uns hier auch noch zusammen das 175 Minuten langen Sound of Music Musical angehört, weil meine Gastfamilie so empört war, dass ich ihn noch nicht gesehen habe. Ja ja, das war nicht das einzige Klischee das hier erfüllt wurde. Ich liebe es. Aber mal einfach wieder auf der Couch hocken und sich einen Film reinziehen (also eigentlich wie bei Charly im Silicon Valley) war wieder wunderbare Normalität.

Wisst ihr was auch noch lustig war, im Death Valley, wos da sogar noch mitten im Oktober an die 40 Grad rangekommen ist, gab es ein klimatisiertes WC. Zwar nicht ganz so eine wunderbare Überraschung wie das beheizte aber auch nicht schlecht. Schwitzfreies Gackn.

Ok noch ein paar Ding die mir jetzt beim bearbeiten der Fotos aufgefallen sind, die ein Kommentar vertragen:





7. Sole di Val - 37.959442; -119.119656

2025-10-19

Vaya, die letzten 24 Stunden waren aufregend. Also es waren jetzt nicht ganz genau die letzten 24 Stunden aber wenn ich schon nicht alle drei Tage Inhalte liefere dann will ich euch zumindest den Schein von Aktualität bieten.

Also vor 24 Stunden sitze ich mit vollem Magen im Camp 4 vom Yosemite Valley und ärgere mich, dass ich nicht so wie angekündigt mir den Platz mit anderen teile sondern irgendwie ganz alleine da stehe. Also der Campingplatz ist voll, bis auf den letzten Platz, am Vortag habe ich Wunder über Wunder noch einen Platz von der Rangerin am Westeingang des Nationalparks reserviert bekommen. Ich tippe ja immer noch auf Sympathiepunkte oder schieres Glück, wie dem auch sei, Camp 4 funktioniert nämlich so, dass sich immer 5 Parteien eine Parzelle teilen. Alle anderen Parzellen voll und gute Stimmung und so - übrigens ein Nur-Zelt-Platz, ich hab mich gefühlt wie im Everest Basislager, so viele Zelte auf einmal hab ich noch nie gesehen (sonst immer 80 % (?) Wohnwagen auf den Campingplätzen) - und ich sitz alleine da. Ok bis um 20:00 "gewartet" - "Hättest dich halt zu einer anderen Parzelle dazu gesetzt!" Bitte! - und Zähneputzen gegangen, komme ich fünf Minuten später zurück und auf einmal hat ein Paar am Picknicktisch ihre mobile Küche aufgebaut und zum Abendessen kochen begonnen. Dann war ich erst mal angefressen. So viel Ambivalenz in meinem Leben. Weil ich mich eigentlich in mein Zelt legen wollte das gleich daneben stand. Es war nämlich schon sau kalt um die Uhrzeit. Auf jeden Fall, bitte, ich hab sie angesprochen, was sie denn gutes zum Abendessen gibt. Aufgrund meines vollen Magens musste ich schweren Herzens die Einladung dazu ablehnen, aber ein Bier ist es dann geworden und viel wichtiger, ein netter Plausch mit Allison und Andrew aus San Diego die übers Wochenende in Yosemite einen Kurzurlaub machen und genau an dem Tag auch mit mir auf Andrews Geburtstag angestoßen haben.
Für den nächsten Akt muss ich kurz ausholen, mein ursprünglicher Plan war Westeingang (Big Oak Flat Entrance) rein in den Nationalpark und gleich am nächsten Tag weiter über den 3300 m hohen Tioga Pass auch schon wieder raus. Das alles ein bisschen notgedrungen weil viele Campingplätze Saisonbedingt schon geschlossen hatten. (Campingplätze sind in dem Nationalpark übrigens, einfach ein par Stellen mit Bärenboxen, dass die nicht ans Essen kommen, und in der Mitte ein Klo, keine Dusche seit fünf Tagen, nur Katzenwäsche, es wird wieder Zeit). Da aber wegen Schneefall die Passstraße geschlossen war musste ich umdisponieren und hab den erwähnten Platz im Camp 4 bekommen. Eh sau Masen weil sonst hätte ich nicht das Yosemite Valley gesehen und das ist wirklich auch aus einer Alpenrepublikperspektive sehr spektakulär. Oder gerade aus der, keine Ahnung. Auf alle Fälle wollte ich den Plan mit der Passstraße und der Überquerung der Sierra Nevada noch nicht ganz aufgeben. Wie mir die Ranger gesagt haben, wurde sie auch just an dem Tag auch wieder geöffnet, das Problem dabei, ich bin am Vortag um ins Taal zu kommen zwar 400 hm hoch gefahren aber anschließend auch wieder 800 hm runter. Ins Tal -> nach unten, hätte ich mir denken können. Zu dem Plan der vom vorherigen Standort mit 105 km und 2300 hm schon sehr ambitioniert gewesen wäre (erinner: einzige Möglichkeit da alle Campingplätze dazwischen geschlossen) wären nochmal 400 hm dazu gekommen. Keinen Bock. Also doch wieder umdisponieren und statt der Gebirgsüberquerung doch gleich wieder auf der anderen Seite runter. Niederlage. Niederlande. Aber Abends, dann wirklich im Zelt, nach dem positiven Erlebnis mit Allison und Andrew und der Stimme von der sehr sympathischen vorzeige Rangerin am Westeingang im Kopf: "No harm in asking!" (Fragen Kostet nix!) - hab ich mir dann gedacht, wieso nicht einfach die Ranger fragen ob sie mich mitnehmen können. Die Fahren doch eh immer mit ihren fetten Pick-Ups durch den Park. Am nächsten Tag dann gleich die Absage: Dürfen wir nicht! Ich soll im Yosemite Village bei den Bediensteten Fragen ob sie wen kennen, der heute über den Pass fährt und mich mitnehmen kann. Wieder Absage: Kennen wir nicht! Aber ich soll doch einfach einen Karton nehmen und per Anhalter rüber fahren. Hier ein Edding! (Edding = Sharpie in den US of A). Und wieder viel Ambivalenz, die letzten paar Tage reg ich mich über diese ganzen riesigen Pick-Up Trucks auf die an mir vorbei düsen und denk mir, wer braucht so ein riesen Ding wirklich, und in dem Moment, an der Straße stehend mit meinem Schild in der Hand wünsche ich mir (fast) nichts sehnlicheres als so ein Truck auf dessen Ladefläche ich einfach mein Rad auf-picken und drauf up-en kann. Und nach nicht mal 10 Minuten - davor ist noch ne Frau mit ihrem Wohnwagen stehen geblieben, um mir zu sagen, dass sie mich gerne mitnehme könnte aber mein Radl leider nicht mit rein passt - bleiben Richard und Angelica mit ihrem Pick-Up stehen um mich mitzunehmen.
Leider oder glücklicherweise nur etwa 20 km bis zu der Tankstelle an der es am Vortag bergab gegangen ist, das ist nämlich genau die Kreuzung die zum Pass führt, und sie müssen in die andere Richtung. Aber zumindest 800 hm weniger, dafür schon 13:00 und noch 90 km + 1900 hm zu fahren. Ich mein die Landschaft dazwischen war Größtenteils von Nadelbaumwäldern verborgen, aber dazwischen immer wieder riesige Felsformationen, Bäume mitten auf Steinplatten und keine 20 m hoch aber vielleicht älter als die Nation des National Parks selber, und wieder Nadelbaumwäldern, und bergauf. Ich war halt auch gestresst weil ich wusste es wird knapp, und es ist sich eh nicht ausgegangen. Als ich auf 3300 m.ü.d.M. angekommen bin, war ich richtig hinnig, so wie bisher noch nie auf der Reise, es war sau kalt (2 Grad), kurz vor Stockfinster und ich hab nichtmal ein Passschild gesehen, um meinen müden Beinen eine Rechtfertigung zu liefern. Wenn mich letzteres aber wirklich aufgeregt hätte, hätte der erste Punkt nicht gestimmt.
Und dann noch drei Lichtblicke die auch nur möglich sind wenn davor viel Leiden im Spiel war. Leid und Glück und so. Erster Lichtblick eigentlich im wahrsten Sinne des Wortes, auf der anschließenden unbekannten Abfahrt im Dunkeln ist dann irgendwann ein Auto von hinten gekommen (es war kaum noch was los auf der Straße) das mich aber nicht überholen wollte, auch als es länge mal breite genug Platz gehabt hätte, stellte sich heraus, der hilfsbereite Herr hat mir mit seinen Vollgas-8k-Helux-LED-Lumen-2000-Scheinwerfern den Weg ausgestrahlt dammit ich mit 80 Sachen die Straße runterknallen konnte. Als dann das Achtung Steinschlag Schild gekommen ist, hab ich mich auch gefragt ob das wirklich so klug ist, aber es gibt wenige Sachen die schwieriger sind als sich auf so einer Abfahrt einzubremsen weil ja vielleicht was sein könnte.
Zweiter Lichtblick, unten angekommen, habe ich schlimmstes befürchtet als auf den Schildern welche die Campingstellen andeuteten auch schon überall "Closed" stand und bei der Rangerstation scheinbar auch tote Hose war. Ich muss zugeben, ich hab in den ganzen hin und her auch nicht richtig recherchiert was mich da unten dann eigentlich erwartet. Also weiterfahren und im Dunkeln taucht auf einmal vor mir eine Tankstelle auf mit einem richtigen Diner (also nicht so richtig wie aus den Filmen, so ein suche ich noch immer, aber halt eines) mit ganz ganz leckerem Essen. So ein Ort, wo auch ein paar andere Leute sitzen, und richtig Normalität herrscht. Das ist genau die Zufluchtsstätte die ich mir wünsche nach einigen Stunden am Rad und aus der Finsternis kommend. In dem Diner wurde mir dann ein öffentlicher Park ganz in der Nähe empfohlen in dem ich mein Zelt aufschlagen konnte und damit der dritte und letzte Lichtblick des Tages: dieser Park hatte eine sehr saubere, großräumige und beheizte (!) öffentliche Toilette. Auch wieder ein wahres Wunder um sich umziehen, zu waschen (mit warmen Wasser! gab es im ganzen Nationalpark natürlich nie) und die ganze Fertignahrung, Snacks und Riegel die ich mir in den letzten Tagen aus Not und Angst vor einem Hungerast einverleibt habe rauszuspülen (nein kein Einlauf, einfach entspannt auf dem Klo sitzen, es warm haben und genau wissen warum ich mir das alles antue).
So viel zu meinen letzten 24 h. Ja natürlich, die letzten 24 h vor 24 h, also Samstag der 18.10., an dem Abend hatte ich natürlich nur noch die Isomatte und den Schlafsack im Sinn. (und natürlich Anki Karten für den Streak.)

Jetzt sitze ich noch immer in dem öffentlichen Park, in Lee Vining übrigens, und muss Planen wie es weiter geht auf dieser Seite von der Sierra Nevada. Vermutlich doch nicht gleich weiter in den Osten sondern zuerst mal über Bishop nach Las Vegas in den Süden, weil es schon ziemlich frisch wird, wenn die Sonne nicht scheint.
Mittlerweile ist diese auch untergegangen und es geht ein Affenwind. Nicht das beste Office für den Digitalen Nomaden, dafür wartet noch immer das beheizte Heisel auf mich und dann der warme Schlafsack.





6. Silber - 37.388400; -122.085160

2025-10-11

So, drei Tage später und schon der nächste Beitrag! Ist sehr wichtig regelmäßige Inhalte hochzuladen um als Influencer erfolgreich zu sein.
Der nächste Beitrag aber von denselben Koordinaten. Aus dem: "... dass ich auch ohne Probleme eine ganze Woche hier bleiben kann. Ist zwar nicht mein Plan aber..." ist dann nämlich doch der Plan geworden. Mittlerweile sind es gute sechs Tage die ich hier in aller Gemütlichkeit verbracht habe. Am Mittwoch Abend war ich quasi schon bereit, am nächsten Morgen aufzubrechen und konnte dann ziemlich deutlich vorm Schlafengehen wahrnehmen wie zwei kleine Caspars auf meinen Schultern saßen und mir abwechselnd Argumente vorbrachten, dass ich entweder bleiben soll oder dass ich fahren soll. Übrigens in Richtung des Yosemite National Parks. Das habe ich glaube ich noch gar nicht gesagt. Momentan sieht es so aus dass, wenn ich am Mittwoch losgefahren wäre, ziemlich genau an einem Tag mit feinstem Schneeregen über den 3000 m hohen Tioga Pass fahren hätte müssen. Also vielleicht nochmal Glück gehabt. Jetzt warte ich hier im trockenen, mit luxuriöser Luftmatratze (auch eine lustige Wortkombination bisschen wie ein niedriger Wolkenkratzer (bin neugierig geworden und diese rhetorische Figur heißt Oxymoron)), riesigem (!) Fernseher, guter Gesellschaft und ein zum Wohnkomplex zugehöriges Schwimmbad inkl. Whirlpool. Wie ihr seht wird es ein bitter süßer Abschied werden, süß weil ich mich wieder aufs Radreisen und Campen freue. Bitter weil eh schon wissen, und es gleich an Tag zwei und drei nass, nass, nass wird. Aber ich muss raus und das Zelt gehört auch mal wieder verwendet und geputzt. Gehert a drunga.

Während meiner Planung zur Weiterfahrt ist mir bewusst geworden, dass ich da jetzt in ein paar Tagen wirklich in die Pampa komme so wie ich es bisher in Europa glaube ich noch nicht erlebt habe. Macht mir auch ein bisschen Angst, vor allem die Knappheit an Trinkwasserstellen und auch ein bisschen die wilden Tiere (Schwarz Bär und Kojote). Vermutlich auch ein Grund weshalb ich meine Abreise nach hinten verschoben habe. Dafür kommt jetzt dann vermutlich mal dieser Wasserfilter in Verwendung den ich, seit ich weiß nicht wie vielen Kilometern, am Radl mitschleppe und noch nie verwendet habe.
Apropos Planung, bei ebendieser bin ich hier drüber gestolpert (von dieser Webseite). Mit dem Vermerk "official website of the US government" das erste Indiz dieser Reise, dass dieses Land wirklich von einer Bande von...puh wie soll ich sie nennen? Am liebsten würde ich ganz laut LUNATICS kreischen aber es gibt ja auch eine recht konkrete Bezeichnung dafür: von Faschisten regiert wird. Ich rede zwar nicht gerne schlecht über ein Land in dem ich als Tourist bin, in dem ich als Gast bin aber da gibt es meines Erachtens wirklich nicht viel zum schön Reden und dann ist es ja auch wichtig Stellung zu beziehen.

Und noch zwei weniger aufregende Bildschirmaufnahmen die ich auch jetzt in den letzten Tagen während der Planung gemacht habe: Einmal statt Fußballfelder - was sonst das gängige Mittel zu nachvollziehbaren Größenangabe wäre (square-miles oder Quadratkilometer, wtf) - Österreichs ROT-WEIß-ROT. Und auch noch ganz interessant, die Orte in Nordamerika wo ich mit der Rasselbande vor 15 bzw 16 Jahren (sorry, hab mich da im vorletzten Beitrag mit den 17 Jahren vertan) also 2009 und 2010 überall gewesen bin. Hier die ganze Karte, Alemania und Japón fehlen allerdings (noch).

Na gut, das wars dann auch schon wieder. Bin noch dazu gekommen ein paar echte Fotos hochzuladen. Mal schauen wann sich das wieder ausgeht. Ah ja und wenn mir in der Wüste irgendwann mal richtig langweilig wird und ich keinen Bock mehr hab aufs weiter radeln, werde ich die ganzen Anbauteile, Erweiterungen, Zubehör, Ergänzungen und Überlegungen die ich so ins Radl (und ev. die restliche Ausrüstung) gesteckt habe fotografieren und hier nach und nach reinstellen. (Hab ich auch in meiner Influencer Weiterbildung gelernt: nie den ganzen Content auf einmal hochladen sondern poco a poco über mehrere Wochen verteilt!)

Have a good one! Wie sie hier oft sagen.





5. Fischer - 37.388400; -122.085160

2025-10-08

Charlie7, Falcon ist gelandet. Sugar Charlie, Check Charlie7.

Es passiert so viel. Meine Schwester Nora hat mir auch letztens gesagt, dass ihr, wenn sie von meiner Reise liest, auch wieder bewusst wird, wie die Zeit vergeht. Und ja ich muss ehrlich sagen, der September hat sich richtig in die Länge gezogen. Weltbewegend ist davon natürlich auch nichts aber beim bisschen differenzierteren Nachdenken ist das ja eh sehr gut so. Ich tu mir halt auch immer wieder schwer zu entscheiden, was jetzt wirklich für euch interessant ist. Andererseits kommen ja alle freiwillig hierher, und wenn's wirklich langweilig wird, kann ja auch ein Absatz übersprungen werden. Also komme ich immer wieder zur selben Conclusio: ich schreib einfach was ich will.

Bei den ganzen spannenden Dingen die mir passiert sind weiß ich gar nicht wo ich beginnen soll. Also Spieß umdrehen und mit der langweiligsten Sache (die nicht komplett banal ist) beginnen, die mir einfällt: im Flugzeug gab es Händel mit Reis zu essen. Eh gut.

Als nächstes die trockenen Fakten (auch für mich) zur Erinnerung: am 27.09. Zaragoza verlassen, drei Tage später Ankunft bei meinen Warmshowers Gastgeber:innen in einem Vorort von Barcelona, 02.10. Abflug nach San Francisco und wieder Warmshowers Gastgeber, am 05.10. Weiterfahrt zu meinem Uni-Kollegen und Freund Carlos der mich nun bei sich aufgenommen hat.

Na gut, jetzt die Details und last-in-first-out: Carlos macht gerade seinen Doktor in derselben Forschungsgruppe in der ich meinen Master gemacht habe. Und jetzt ist er gerade mitten im Herzen vom Silicon Valley in der Ortschaft "Mountain View" (ca. 60 km entfernt von San Francisco) und macht ein Praktikum beim Godfather Google. (Übrigens sagt anscheinend nicht mal dort irgendwer Alphabet zu dem Konzern) Dass ich zu ihm komme war äußerst spontan (keine 48 h bevor ich bei ihm war hab ich ihm zum ersten Mal geschrieben) aber für mich eine große Hilfe damit ich 1. diese Zeilen schreiben kann und 2. meine weitere Reise planen kann. Und das ganze äußerst entspannt. Und gestern hat er mich zum Mittagessen ins Hauptquartier eingeladen, und die Bude ist wirklich verrückt. Es gibt einfach für alle Mitarbeitenden gratis Essen und für mich als Besucher auch. Und zwar ein umfangreiches Buffet mit lauter guten Sachen. Das lässt das dauerhungrige Radlerherz höher schlagen. (vom Umfang der Dessertabteilung war ich dann doch etwas enttäuscht vor allem nach dem Luxus beim Familienurlaub im Sommer, aber die Brownies waren immerhin besser als sie ausgeschaut haben - na gut, das ganze ca. so spannend wie das Händl mit Reis im Flieger aber was solls.) Also Google Besuch, große Überraschung für mich und spannende Erfahrung. Danke Carlos! Und danke, für das mehrfach betonte Angebot, dass ich auch ohne Probleme eine ganze Woche hier bleiben kann. Ist zwar nicht mein Plan, aber heute habe ich zum Beispiel endlich mal meinen Campingkocher gewartet, was schon recht lang auf der to-do Liste stand. Außerdem habe ich die letzten drei Abende mit ihm auf dem riesigen Fernseher in seinem Apartment eine spanische Serie (La Caza) angeschaut, was irgendwie so ein Stück von Normalität in mein Leben bringt die ich die letzten 30 Tage nicht hatte.

Vor Carlos war Mateo. Mateo war Warmshowers. Und Mateo war auch ein Guter! Ein guter Gastgeber. Er macht das ganze schon seit 12 Jahren, hat also schon einiges an Übung, aber er war auch einfach als Mensch leiwand drauf! Guter Humor, weiß ur viel und konnte mir ein paar gute Tipps für San Francisco gegeben. Also genau so wie ich mir einen Gastgeber wünsche und ich glaub leider, dass das in Zukunft...naja mal schauen.

Was ich durch meine Flugreise jetzt wieder besser verstehe ist, wieso die Leute so gerne Fliegen. Es ist einfach wie Radfahren auf Speed. Also mit richtig viel Speed. Du steigst ein, paar Stunden später aus und bist dann einfach auf einmal in einer anderen Welt. Natürlich, die meisten Menschen in den USA haben auch zwei Arme, zwei Beine, Augen, Nase, Mund und die Autos haben auch vier Räder aber Gott sind sie groß, und so viele und alle haben Waffen und sind so dumm und haben keine Sozialversicherung. Ja, Klischees sind auch langweilig und bis auf die großen Autos wurden diese bisher auch schönerweise eigentlich gar nicht bestätigt. Auf alle Fälle habe ich die ersten paar Tage hier ziemlich viel gestaunt und war viel Hans-guck-in-die-Luft am Radel. Ab jetzt geht es dann aber im Schnitt wieder nur mit etwa 15 Meilen/h weiter (puh, ich finde Meilen gehen ja, 1.6 und so, aber Fahrenheit? (orsch da Celsius und Fahrenheit keinen proportionalen Zusammenhang haben (war euch vielleicht eh klar, ich hab das erst diese Woche gelernt)) Mateo hat mir aber glücklicherweise eine gute Herangehensweise gezeigt) anstatt mit 850 km/h im Flieger, und die Veränderungen von Land und Leuten werden zum Großteil glaube ich nur eher gemächlich voranschreiten.

Ok, ich will euch eine - wie ich finde - gute Geschichte von meinem zweiten Tag in den USA und in San Francisco erzählen (mal schauen, wie gut es mir gelingt, diese Anekdote wiederzugeben; bin ein bisschen aufgeregt, heikles Thema): Ich fahre also mit dieser (laut Mateo und wie Wikipedia gerade bestätigt hat) weltweit einzigartigen Kabelstraßenbahn aka Cable Cars durch das - und ich sage dies sowohl als Radfahrer als auch als Mensch - wirklich (!) steile San Francisco. Diese Kabelstraßenbahnen haben offenbar zwei Bediener:innen: Eine:r greift und löst das unter der Straße geführte Stahlseil sowie die vordere Bremse, und eine:r steht hinten, kontrolliert beim Einsteigen die Tickets und bedient die hintere Bremse. Hat zwar keine Bedeutung für die Geschichte, ist aber trotzdem interessant: Das Ganze machen die zwei ohne elektrische Unterstützung! ch stehe also auch hinten, um mal wieder in die Luft zu schauen, und bekomme dabei ein bisschen was vom etwa 40 Jahre alten Bediener mit: wie und wann er bremst, wie er die Leute beim Einsteigen anweist, wo sie sich hinstellen sollen (die Kabelstraßenbahn ist an einigen Stellen offen also nicht ganz ungefährlich), und auch, wie er immer wieder ein paar Menschen - scheinbar Bekannte - auf der Straße beim Vorbeifahren grüßt.Also: scheinbar ein kommunikativer, vernetzter und offener Mensch. Ich komm gleich auf ihn zurück.
Ich steh also ein bisschen zum Hinausschauen, irgendwann werde ich müde und setze mich. Mir gegenüber sitzt eine für mich sehr attraktiv aussehende Frau in etwa meinem Alter in Begleitung einer etwas älteren Frau. Ihrem gegenseitigen Verhalten zu urteilen Tippe ich mal auf Mutter & Tochter. Ich bekomm schon während der Fahrt mit, dass unser Kontrolleur auch vermehrt in ihre Richtung schaut. Dann Ankunft Endstation. Bitte alle Aussteigen. Beim Aussteigen der Kontrolleur zur jungen Frau: "Wow, you are such a beautiful girl! Have a nice day!". Die Mutter freut sich scheinbar über das Kompliment das ihre Tochter gerade bekommen hat. Die Reaktion der Tochter konnte ich nicht wirklich sehen. Mir hat es auf alle Fälle etwas sauer aufgestossen. Zwei Gründe, die meinen moralischen Kompass verrückt spielen lassen und mein Dilemma wiederspiegeln: 1. habe ich vermittelt bekommen, dass es nicht ganz richtig ist, fremden Frauen auf der Straße Komplimente zu ihrem Äußeren zu machen. 2. eigentlich will ich ja derjenige sein der diese Frau anspricht und Kontakt mit ihr hat.
Also schlecht gelaunt und hungrig - wobei das letztere sicherlich auch ersteres mitverursacht hat - mach ich mich auf die Suche nach etwas zu Essen. Glücklicherweise mit einem Tipp von Mateo in der Tasche gibt es dann eine Krabbensuppe in Brotschüssel und ich sitze am Rand des Touristenstroms und genieße die Suppe. Die Szene von vorhin noch im Kopf, die schlechte Laune aber verfliegend kommt auf einmal eine amerikanische Frau auf mich zu - ich würde sagen im selben Alter vom Straßenbahnbediener - und fragt mich, wie denn die Suppe ist? "Really good." (oida mir geht mein scheinbar starker Akzent am Nerv.) "Where are you from?", "Austria", "Wow, I have to tell you, you are so handsome! When I was young, boys and girls weren't as beautiful as they are today!", dann ging es kurz hin und her mit Floskeln, bis sie sich verabschiedet hat und ich noch höre wie sie ihrer Freundin im Schmäh sagt "jeez we have to go to Austria".
...jup das war die Geschichte inkl. Pointe, mehr kommt nicht mehr. (Hoffe das kommt jetzt nicht als billiges Selbstlob rüber, aber wirklich so passiert und ich komm ja eh auch nicht nur gut dabei weg.) Hab es im Nachhinein nur ziemlich amüsant gefunden quasi beide Seiten innerhalb einer Stunde mitzuerleben. Will jetzt gar nicht mehr viel reininterpretieren und meine gesamte Wahrnehmung von der Geschichte hat sicherlich auch etwas damit zu tun, dass ein Wiener in San Francisco ist, Kulturschock und so.

Ah ja und zwischen dem ganzen hat ein selbstfahrendes Auto die 150 Jahre alte Kabelstraßenbahn blockiert weshalb sie mehrere Minuten nicht weiterfahren konnte. Jup, in San Francisco gibt es offenbar selbstfahrende Autos also Stufe 5: Vollautomatisierung. Kein Fahrer erforderlich. Außer dem Festlegen des Ziels und dem Starten des Systems ist kein menschliches Eingreifen erforderlich. Vielleicht für Menschen die die letzten zwei Jahre nicht unter einem Stein gewohnt haben eh bekannt, für mich war es eine ziemliche Überraschung als vor mir auf einmal ein Auto aufgetaucht ist in dem niemand am Lenkrad sitzt. Waymo heißt die Firma dahinter (natürlich von Google) und die Teile können wie Uber über eine Smartphone App angefordert werden. Und ich habe die nicht ein Mal zufällig gesehen, sondern die fahren die ganze Zeit überall herum. Also halt so wie normale Taxis noch vor ein paar Jahren. Es würde mir jetzt wesentlich leichter fallen in einem weiteren Absatz dieses Thema (selbstfahrende Autos: cool/nicht cool) moralisch zu behandeln als die Frage ob es cool/nicht cool ist fremde Personen auf der Straße Komplimente zu ihrem äußeren zu machen (ich meine eh klar bei meiner Ausbildung) aber auch dazu gibt es glaube ich andere und bessere Orte und Momente.

Also während Europa noch schlummert geht bei mir nun auch der Tag zu Ende. Ganz bitter bei der Zeitverschiebung ist, dass ich nun Ö1 Journale sowie fast alle Fahrradrennen nicht mehr bzw. nur mühsam live mitverfolgen kann. Na gut zumindest ein Aspekt der die Entfernung verdeutlicht wenn schon die Internetverbindung bei Anrufen so unglaublich verzögerungsfrei funktioniert.

Guten Morgen & Good Night!

PS: rechts unten ab jetzt Dunkelmodus möglich (wahnsinn die Technik von Heute!)





4. C de Cesar - 41.638394; -0.941541

2025-09-26

Als ich vor drei Tagen in Zaragoza eingeritten bin, hat sich das ein bisschen so angefühlt, als würde ich nach Hause kommen. (Oh-Oh, ich fürchte mich schon vor dem nächsten Abschied) Ich hab die letzten 44 km gekannt, hab gewusst, ich kenne ein paar Leute in der Stadt die ich treffen will und an die ich mich wenden kann, wenn's mal schief läuft, mir sind die feinen Nuancen in der Aussprache aufgefallen von dem Typen am Rennrad, der mich auf mein vollgepacktes Reiserad angesprochen hat, und mir ist gleich mal der bekannte Geruch der Stadt in die Nase gestiegen. Also ich finde, letzteres wäre schon recht plausibel und ich finde, es hört sich auch recht romantisch an, leider stimmt es absolut gar nicht aber mir ist sonst nichts mehr eingefallen, warum sich die Stadt jetzt so ein bisschen anfühlt wie daheim, aber nur drei Aufzählungspunkte waren mir zu wenig. Ich hab halt ein gutes Jahr meines Lebens dort verbracht.

Was ich aber besser hätte wissen sollen ist, wie sich der Wind in Zaragoza verhält. Die letzten zwei Tage bis hierher war mir das aber eine ordentliche Lektion und ich hab ein paar g'scheite Watschen kassiert. Links, rechts! 15 km/h Schnitt über 8 Stunden lang mit nur ein paar hundert Höhenmetern. Ich könnte jetzt ein paar Absätze drüber schreiben, wieso Gegenwind so deppert ist, vielleicht mach ich das noch wenn's mich wieder mal erwischt. Das Bittere ist auch, ich hab gerade geschaut und am Retoureweg, die nächsten paar Tage, soll ziemliche Flaute sein. Gegenwind ist auf alle Fälle eine wunderbare Geduldsprobe.

Meine Gedanken sind jetzt immer öfter in den EE. UU. (USA auf Spanisch), in denen ich nicht mehr alle paar Tage wieder vertraute Gesichter zu Gesicht bekomme, zum Beispiel während der drei gemütlichen Tage mit dem Papa in Genova, auf der Fähre und in Barcelona. Anschließend ging es dann wieder alleine mit dem Rad durch Katalonien in Richtung der Hauptstadt von Aragón. Schon spannend, dass 90 km vom wuseligen Barcelona entfernt so Pampa ist, dass mir quasi nur Wildcampen übrig blieb. An der Küste entlang wimmelt es natürlich nur so von Campingplätzen, die ich auch jetzt bei meiner Rückreise im Auge hab, aber bei der Herfahrt ging es halt direkt ins Hinterland. Für die zweite Nacht habe ich dann zum ersten Mal als Gast das Gastfreundschaftsnetzwerk Warmshowers verwendet. (bisher die letzten paar Monate nur als Gastgeber) Rosa, Gerard und ihr Kind haben mich sehr angenehm bei sich aufgenommen und ich muss ehrlich sagen, das persönliche Highlight war, dass ich mit Gerard die letzten 30 min von den Weltmeisterschaften anschauen konnte. Kulturelles Highlight war dann der Einblick in die katalanische Unabhängigkeitsbewegung. Für mich am spannendsten daran, die Seiten zu wechseln (also jetzt wieder Gast vs. Gastgeber, nicht "Katalane vs. nicht-Katalane") war, dass ich mir meistens wenn mich Gäste verlassen haben, um ihre Radreise fortzusetzen gedacht habe: "Boah, ich hätte jetzt auch richtig Bock!" und diesmal als ich meine Gastgeber:innen verlassen habe, um meine Radreise fortzusetzen, mir gedacht habe: "Boah, ich hab jetzt gar keinen Bock!". Dass die Wiese vom Nachbarn grüner ist, ist mir bisher auf der Reise schon viele Male durch den Kopf gegangen.

Abgesehen vom Wind hatte ich hier in Zaragoza aber wieder saumäßig Glück und zwar genau an dem Tag hier zu sein, an dem Juan selber seine Masterarbeit präsentiert und verteidigt. Juan hat mit mir hier in der "Dronen Arena" zusammengearbeitet und mir wirklich sehr, sehr, sehr viele Dinge beigebracht, die ich für meine eigene Masterarbeit gebraucht habe. Also an dieser Stelle nochmal riesengroßes Dankeschön! Neben Juan habe ich auch noch meine anderen Kollegen und Betreuer:innen treffen können, außerdem meinen Ex-WG-Mitbewohner Amin und meine treuen Freunde vom lokalen Radsportverein C.C. Serma. Also ein kurzer & intensiver Besuch in ZGZ (lol, irgendwie liebe ich diese Abkürzung für Zaragoza, aber ich hab das Gefühl, sie verwendet irgendwie nur Zugereiste und das Stadtmarketing-Unternehmen) eigentlich ziemlich genau so, wie ich mir das gewünscht und vorgestellt habe. Ja, und mal schauen, wie mir dann die Abreise morgen fallen wird.

Heute in einer Woche sollte ich dann schon auf dem anderen Kontinent sein. Da gibt's dann nichts mehr mit spontan Auto "mieten" und nach Hause fahren, wenn ich keinen Bock mehr habe. Ich würde sagen da beginnt dann wirklich das Abenteuer, obwohl es bis jetzt auch schon sehr spannend war. Aber ich bin ja erst letztes Jahr mit dem Fahrrad durch ESP & ITA gefahren, auch wenn nicht alleine. In den USA war ich aber vor 17 Jahren das letzte Mal, und damals mit 24 anderen Gleichaltrigen und quasi an der Hand geführt. Auf die Froot Loops, Gushers und Tripple-Whoopers freue ich mich aber noch immer so wie vor 17 Jahren.

Oida, jetzt hau ich mich glaub ich noch in das Planschbecken von dem Gemeinde-Campingplatz hier in ZGZ, und dann werde ich euch noch ein paar Fotos zur Verfügung stellen. Ned vom Planschbecken.





3. Tripolis & Tiraspol - 44.485915; 9.766105

2025-09-15

Meine Lieben ich habe den Jackpot geknackt. Nicht den 6er im Lotto da hätte es dann noch mehr gebraucht, sondern eher so realistisch den 4er. Die Frage ist natürlich was im Bezug auf Wahrscheinlichkeiten realistisch ist, 4er Jackpot hat eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 772. Realistisch? Egal, auf alle Fälle ist der Fall eingetreten den ich mir in meinem positiven Kopfkino ziemlich so ausgemalt habe (natürlich ohne den Details).

Also letzten Donnerstag komme ich nach Oderzo, wohl wissend, dass es in dem Städtchen laut Google kurz Recherche keinen Campingplatz gibt. Also mein Plan, Leute fragen ob sie ein lauschiges Plätzchen kennen. Meine Erwartung: ausgelacht zu werden was ich denn für ein Clown sei und ob ich nicht eh im Google gesehen hab, dass es keinen gibt. Verschwinde! Hm, das war das unrealistische (?) negative Kopfkino welches bei mir in sozialen Situationen leider doch oft ausschlägt. (Wirklich unrealistisch wäre sie stechen mich nieder) Realistische Erwartung: jemand zeigt mir ein lauschiges Plätzchen. Und dann kam Claudio ins Spiel. Die dritte Person die ich angesprochen hab. Vize-Präsident des örtlichen Rugby Vereins, den Grifonis Oderzo. Und er sagt mir, ich soll um ??? (sein Englisch war um Welten besser als mein italienisch, trotzdem hab ich mir ein bisschen schwer getan) wieder hierher kommen (wir standen am Parkplatz vom Rugby Feld zu dem mich die zweite Person geschickt hat, weil dort ein Wohnwagen stand). Also hab ich mich noch auf den Weg gemacht mein Abendessen zu organisieren. Elia (14 (?) Jahre), fahrradfahrend, hat mich am Hauptplatz gleich angequatscht und anschließend den nächsten Supermarkt gezeigt. Was für nette Leute in Oderzo.
Um 19:00 hab ich mir dann gedacht ich probiers mal und Claudio empfängt mich dort mit offenen Armen und stellt mich jeder Person vor die grad so herumläuft. Anschließend hab ich dann Bier (im Puntigamer Glas) von der Clubbar spendiert bekommen, mir wurde angeboten die Duschen in der Umkleide verwenden zu können (oida ich hoffe das Angebot kam aus der logischen Schlussfolgerung heraus, dass ich nach einem Tag radeln vermutlich duschen will und nicht weil ich so gebeckelt habe), und ich wurde gefragt was ich auf meine Pizza drauf haben will. Außerdem war noch eine Geburtstagsfeier von einem jungen Vereinsmitglied und am Ende gabs noch ein kleines Reisehandtuch aus dem Grifoni-Vereins-Merge für mich geschenkt. Die Stimmung war also ausgelassen, heiter und sehr gemeinschaftlich und genau das was ich nach mehreren Tagen alleine unterwegs gebraucht habe.

Ich meine Claudio hat mir jetzt keine 250 € geschenkt (was der letzte vierfach Jackpot gewesen wäre) aber viel wichtiger, er hat mir einen Ort zu schlafen und Sicherheit gegeben, mich in seine Gemeinschaft integriert und mir zu essen gegeben. Jetzt wo ich das schreibe, er war Jesus! Oder er war der gute Hirte! "…du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde, du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein…". Das mit den Feinden und dem salben check ich nicht ganz, aber die anderen zwei Punkte treffen voll zu. Und ich werde Claudio auf alle Fälle zu der Liste mit guten Hirten und Hirtinnen hinzufügen die mir im meinem Leben schon so begegnet sind. Menschen die mir geholfen haben wenn ich Hilfe gebraucht habe ohne sich davon viel zu erwarten. Solche Taten hinterlassen bei mir viel Dankbarkeit und die einzige Möglichkeit sich wirklich dafür zu bedanken - die vielen obligatorischen Dankeschön sind ja eigentlich nur Floskeln - ist anderen zu helfen wenn diese Hilfe brauchen. Also ich halte meine Augen offen und hoffe, dass wenn der Augenblick kommt ich mich an Claudio erinnern werde und eine annähernd so großen Hilfsbereitschaft anbieten kann.

Das hoch mit Claudio hat mich durch die vergangenen zähen Tage den Po (Fluss ned Orsch) entlang und mit einigem Gegenwind und viel heißer Sonne getragen. Nach einer spontanen Routenänderung um den letzten 1.5 Tagesetappen am Po zu entgehen sollte ich schon morgen in Genua ankommen. Die Freude über einen vertrauten Gesprächspartner (Papa) und drei Tage ohne Radeln sondern mit Meer schauen und Boot fahren sind groß! Langsam kann ich mich zwar schon mehr mit dem Gedanken anfreunden alleine unterwegs zu sein - auch wegen diesem glücklichen Treffen mit Claudio und seinen Grifonis, was zuversichtlich macht - andererseits habe ich noch immer ein bisschen Bammel wie es dann im großen US of A wird wo dann kein Treffen mit Verwandten oder Freunden mehr in naher Zukunft ansteht.





2. Do Re Mi Fa So La Ti Do - 46.290935; 13.129649

2025-09-10

Meine Lieben, die Reise hat begonnen, und ich muss sagen der aller-Anfang-ist-schwer war schwerer als gedacht. Könnte sein, dass der Anfang von meinen bisherigen längeren Auslandsaufenthalten (z.B. während dem monatelangen Praktikum in Vorarlberg ;)) eh auch schwierig war und ich es durch Vergangenheitsromantisierung einfach vergessen/verdrängt habe aber diesmal ist mir der Abschied schon besonders schwer gefallen. Vielleicht auch weil ich nicht einfach in ein Flieger gestiegen bin und weg war, sondern erst mal zwei gute Stunden gebraucht habe um in Wiener Neustadt zu sein. Wiener Neustadt! Vorteil an WNS, dort konnte ich gleich mal beim Julian, meinem alten Schulfreund aus der Graphischen und seiner Partnerin Leo einkehren und mich noch ein letztes mal für einige Zeit vertraut fühlen.
Das Angebot bei ihnen zu übernachten habe ich ausgeschlagen da ich in der ersten Nacht gleich in den sauren Apfel beißen wollte. Bisher war ich nämlich noch nie in Österreich Wildcampen und jetzt fällt mir gerade ein ich war überhaupt noch nie alleine Campen. Weder am Campingplatz noch in der "Wildniss". Eigentlich hab ich eine super Stelle entdeckt, gleich in der Nähe von einem Fluss und sogar mit Picknicktisch an dem ich gemütlich zu Abendessen konnte. Was ich nicht so bedacht habe ist, dass es doch irgendwie unangenehm ist mitten im Wildfremden zu übernachten in dem Wissen, dass es m.E. moralisch zwar ziemlich in Ordnung ist aber halt trotzdem illegal. Geschlafen hab ich dann aber erstaunlich gut aber natürlich früh auf weil die ersten schon wieder mit ihrem Hundi gassi sind. Was ich auch nicht bedacht habe ist, dass man beim Wildcampen ja meistens eher die Menschen vermeidet. Was wenn ich alleine unterwegs bin dann aber doch schnell recht einsam wird. Also hab ich die nächsten zwei Tage gleich mal Campingplätze aufgesucht um dann zumindest kurz mit der ein oder anderen Person ein paar Worte zu wechseln. Und schlafen/kochen aka campen ist dann halt auch einfach gemütlicher wenn auch der Staat sagt dass es genehmigt ist.
Dadurch ging an Tage zwei und drei mit der Stimmung dann eigentlich wieder etwas bergauf, auch weil ich mich auf die schöne Alpenüberquerung auf dem Alpe Adria Radweg gefreut habe.
Also "alles" schön und gut. Nach Villach nochmal Wildcampen probiert, auch aus der Not heraus, dass kein Campingplatz mehr gekommen ist. Die Leute auf der Straße einfach zu fragen ob es in der Nähe einen Campingplatz gibt bzw. wo ich mein Zelt aufbauen kann - so wie ich mir das in meinem Kopfkino vor der Abreise cool vorgestellt habe - hab ich mich bisher nur getraut als ich (durch Wegschilder) schon wusste, dass es wirklich gleich irgendwo in der Nähe einen Campingplatz gab. Naja vielleicht kommt das noch.
Ich wusste, schon am Vorabend dass der Regen angesagt war. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und es gibt da ja auch unterschiedlichste Ausprägungen. Leider ist fast das Szenario eingetreten vor dem ich mich schon lange gefürchtet habe, nämlich dass es regnet wenn ich mein Zelt in der Früh abbaue, und dass es regnet wenn ich mein Zelt am Nachmittag aufbauen muss. Und zwar gescheit regnet. Den ganze verfluchten Alpe Adria Radweg (zwischen Villach und bis vor Udine). Alles war von Wolken bedeckt die ihren Inhalt kontinuierlich auf die paar wackeren (oder dummen, keine Ahnung) Radler:innen ausschüttete. Das ganze hat dann nur sehr begrenzt eine Freude bereitet und ich bin die 90 km zu dem Campingplatz den ich schon von zwei vorherigen Besuchen gekannt habe fast ohne Pause durchgefahren in der Hoffnung, dass der Regen dort vielleicht zumindest eine kleine Pause einlegt oder dass der Campingplatz so wie ich vermutete auch ein paar Zimmer anbietet. Und letzteres ist es dann geworden. Ich mein ich kann sicher noch ein paar Sachen optimieren beim zelt'ln im Regen aber 24 h Dauerregen ist beim Radreisen einfach kacke. Umso erleichterter war ich über das trockene Zimmer, dass dann gleich mal nicht mehr so trocken war. Mittlerweile sollten aber die meisten Sachen schon wieder am Weg zur Trockenheit sein. Und so gemütlich im trockenen sitzen und dem Regen beim regnen zuschauen ist dann wieder eine versöhnlicher Zeitvertreib.

Ja das ist so der aktuelle Stand. Ich bin wirklich gespannt wo das noch hinführt momentan geht es auf und ab. Nächstes Ziel ist ja jetzt einmal Genua. Ich freu mich aufs Meer und wieder trockeneres und wärmeres Wetter und wieder vertraute(s) Gesichter zu sehen.

Fotos gibt es übrigens erst wenn ich mich in den open-source raw-converter "Darktable" reingefuchst habe. Das ist, neben ein paar anderen Sachen, während der Vorbereitung liegen geblieben. Aber wieso 0.77 Fotos schicken wenn ich auch 770 Wörter schreiben kann. Dafür sollte die Karte nun recht aktuell sein. Alles Liebe und bis dahin!





1. Uno-X Mobility - 48.194432; 16.321638

2025-08-03

Meine Lieben, hier werde ich ein bisschen über meine geplante (und dann tatsächliche) Fahrradreise in die Amerikas schreiben.
Der Plan sieht momentan so aus, dass ich mich am 6. September Richtung Genua auf den Weg machen werde und von dort die Fähre nach Barcelona nehme. Die Strecke über Land (zwar in die andere Richtung) kenne ich ja schon von meiner Tour mit Bernhard im letzten Sommer. Von Barcelona geht es dann nochmal nach Zaragoza, wo ich meine Freunde von meinem Auslandsstudienjahr (aka Erasmus) 23/24 besuchen werde. Dann wieder zurück nach Barcelona, und am 2. Oktober geht der Flug nach San Fran. Von dort ein paar Nationalparks und weiter Richtung Süden, könnte nämlich auch schon ein bisschen kalt werden. Mexiko..